Johannes A. Wolf:

„Der Weg zur Auferstehung führt über Golgatha“

Betrachtungen zur orthodoxen Vorbereitung auf die Passionszeit und die Auferstehung Christi: die spirituelle Reise der Großen Fastenzeit, in deren Mittelpunkt sich der Sonntag der Kreuzverehrung befindet; die Bedeutung des Kreuzes Christi und der verschiedenen Kreuze in unserem Leben als Heilmittel für unsere Seelen.

Vortrag zum Sonntag der Kreuzverehrung,

Heiliges Orthodoxes Kloster Dionysios Trikkis & Stagon,

im Kloster Arnstein, Obernhof an der Lahn, 27.03.2022

Einleitung

Es gibt einerseits die chronologische Zeit, die wir gewöhnlich als linear betrachten, und es gibt andererseits die liturgische Zeit, also die Abfolge der Gottesdienste an jedem Tag und im Lauf des Jahres, die zyklisch abläuft. In der chronologischen Zeitrechnung haben wir heute den 27. März 2022, und morgen ist schon wieder ein Tag weitergerückt auf einer Art Linie, die von der fernen Vergangenheit in die Zukunft verläuft und die irgendwann einmal enden wird: am Ende der Weltzeit. Auf dieser Linie der chronologischen Zeit befindet sich die Abfolge der Ereignisse in der Welt und im persönlichen Leben. Das, was vergangen ist, kann man nicht mehr ändern. Es bleibt für immer dieser Linie eingeprägt. Man kann allerdings die Haltung gegenüber dem Vergangenen und das Verständnis davon verändern. Die Zukunft bleibt ungewiß, und wann das Ende der persönlichen Zeitlinie erreicht ist, wissen wir gewöhnlich nicht; auch nicht, wann das Ende der Weltzeitlinie kommen wird. Es bleibt uns die Gegenwart, und die Gegenwart ist häufig ein Punkt der Entscheidung, von der aus verschiedene Pfade in die Zukunft führen: äußere Pfade, die den Verlauf des weiteren Lebens prägen, aber viel häufiger noch innere Pfade, die mit unseren Einstellungen, Gedanken, Wünschen und Gefühlen zu tun haben.

Die liturgische, kirchliche, gottesdienstliche Zeit verläuft hingegen zyklisch: Das Jahr besteht aus 365 bzw. 366 Tagen, und jeder dieser Tage ist durch eine bestimmte Zeitqualität, durch einen bestimmten Inhalt gekennzeichnet. Die Gewichtung der jeweiligen Zeitqualitäten ist unterscheidlich: Es gibt im Kreis der unbeweglichen Feste die großen Ereignisse im Jahr, die auf bestimmte Kalendertage fallen, beispielsweise Christi Geburt, Theophanie (die Taufe Christi), Mariä Verkündigung und Entschlafung, Verklärung (Transfiguration Christi auf dem Berg Tabor), das Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus usw. Diesen großen Festen gehen jeweils vorbereitende Tage voraus, und es folgen einige Tage, an denen das Fest ausklingt. Sie sind daher wie Berggipfel, denen man sich nähert, die man besteigt und von denen man dann wieder herabsteigt. Neben diesen großen Festen gibt es kleinere Gedanktage, die im Zusammenhang mit den Ereignissen des Neuen Testaments, der kirchlichen Überlieferung oder der Kirchengeschichte stehen, wie zum Beispiel das Fest der Begegnung des Herrn im Tempel, das Fest der Empfängnis und Geburt der Gottesmutter oder jenes der Geburt Johannes‘ des Täufers, das Fest des Eintritts der Gottesgebärerin Maria in den Tempel, oder das Gedenken der großen Konzile der Kirche. Des weiteren ist jeder Tag des Jahres durch das Gedenken mehrerer Heiliger geprägt, die dann auch jeweils in den liturgischen Texten mehr oder weniger umfangreich präsent sind. Dieser ganze Zyklus des liturgischen Gedenkens wiederholt sich jedes Jahr auf’s Neue und bewegt sich wie ein rollendes Rad auf der Linie der chronologischen Zeit der Zukunft entgegen, wobei aber innerhalb des Rades die Zeit wie aufgehoben erscheint durch die Wiederholung derselben Inhalte über die Jahre und sogar Jahrhunderte hinweg. Man könnte daher sagen, die liturgische Zeit ist durch eine dynamische Statik gekennzeichnet: dynamisch, weil an jedem Tag ein anderer Zeitinhalt in den Vordergrund rückt; statisch, weil sich der Zyklus dieser Zeitinhalte Jahr für Jahr wiederholt.

Neben dem Zyklus der unbeweglichen Festtage, also der Feste, die jeweils auf ein bestimmtes Datum des Jahres fallen, gibt es die bewegliche Festabfolge der Zeit zwischen dem Beginn der Vorbereitung auf das höchste Fest des Jahres, die Auferstehung Christi, Ostern oder Pas’cha genannt, diesem Fest selbst und der folgenden Zeit über Christi Himmelfahrt und Pfingsten hinaus bis zum Sonntag nach Pfingsten, der in der Orthodoxen Kirche als Sonntag aller Heiligen gefeiert wird. Diese Zeit fällt, abhängig von der Berechnung des Osterfesttages, jedes Jahr chronologisch auf andere Kalendertage, deshalb nennt man diese Zeitspanne auch Zeit der beweglichen Festtage, wobei freilich die interne Abfolge dieser beweglichen Festtage unbeweglich, also unveränderlich bleibt (z. B. ist Christi Himmelfahrt immer 40 Tage nach Ostern, Pfingsten 50 Tage nach Ostern), doch die Synchronisation dieser gesamten Folge mit dem Kalender der unbeweglichen Festtage verändert sich von Jahr zu Jahr. Man könnte, bildlich gesprochen, sagen, daß die Folge der beweglichen Feste um Ostern und Pfingsten gegenüber dem Zyklus der unbeweglichen Feste immer etwas, das heißt, um ein paar Tage oder Wochen, vor- oder zurückrutscht. Dieses Jahr ist nach dem orthodoxen Kalender das Fest der Auferstehung Christi, also der erste Osterttag, am 24. April, nächstes Jahr wird das am 16. April sein und übernächstes Jahr am 5. Mai. Auf die Berechnung des Ostertermins kann im Rahmen dieses Vortrags nicht eingegangen werden.

Der gesamte Zeitraum der beweglichen Feste, also die Zeit der Vorbereitung auf Ostern, dann die Zeit über Pfingsten hinaus bis zum Sonntag nach Pfingsten, Allerheiligen in der orthodoxen Tradition, umfaßt volle 18 Wochen, also ungefähr ein Drittel des Jahres. Davon entfallen 3 Wochen auf die Vorfastenzeit, das heißt die Zeit vor Beginn der eigentlichen Großen Fastenzeit vor Ostern; dann die 6 Wochen der eigentlichen Fastenzeit, welcher die Karwoche oder Leidenswoche vor Christi Auferstehung folgt. Danach kommen die 7 Wochen der Nachosterzeit, und am 50. Tag nach Christi Auferstehung wird das Pfingstfest der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger begangen. Dann folgt noch eine Woche bis Allerheiligen, dem Sonntag nach Pfingsten, der diese ganze lange Abfolge von Festen zum Abschluß bringt.

Die Orthodoxe Kirche verwendet in dieser Zeit zwei besondere liturgische Textbücher: das Fastentriodion für die Zeit der Vorfasten- und Fastenzeit bis zum Samstag vor Christi Auferstehung; dann das Pentekostarion, auch Blumentriodion genannt, für die Zeit zwischen der Osternacht und Allerheiligen. Die Texte dieser Bücher, Hymnen, Oden, Gebete, Verse, die in andere Textfolgen eingefügt werden, helfen, sich auf die Inhalte dieser besonderen Zeit des Jahres einzustimmen. Aber sie sind nicht nur Einstimmung, sozusagen Atmosphäre dieser Zeit, sondern sie liefern auch konkrete Mystagogie, also Einführung und Anleitung, um diese Zeit persönlich möglichst effektiv dafür zu nutzen, Zugang zu den innersten Geheimnissen der christlichen Offenbarung zu erhalten.

Der nun folgende Vortrag besteht aus zwei Teilen. Zunächst möchte ich einen Überblick über die Große Fastenzeit, wie sie die Orthodoxe Kirche begeht, geben. Wir befinden uns heute am Tag der Kreuzverehrung, genau in der Mitte der Fastenzeit. Im zweiten Teil möchte ich daher näher auf diesen Tag selbst eingehen, auf seinen Inhalt und seine Bedeutung, auch anhand liturgischer Texte der Hymnen, von denen wir soeben einige gehört haben, sowie auf das Mysterium des Kreuzes, das Kreuz Christi und unsere eigenen Kreuze, die wir in der Nachfolge Christi zu tragen haben.

Ein graphischer Überblick über die Große Fastenzeit:

Teil 1: Die Mystagogie der Großen Fastenzeit

Man sieht hier in diesem Schema die einzelne Sonntage der Vorfastenzeit (gelb) und der eigentlichen Fastenzeit (blau) in Form einer Treppe dargestellt. Wir steigen also wie auf den Stufen einer Treppe zum Fest der Auferstehung Christi auf. Nicht eingezeichnet ist hier allerdings die Leidenswoche vor Ostern, die ebenfalls eine Fastenwoche ist, doch nicht zur Großen Fastenzeit gehört. Wir befinden uns heute in der Mitte dieser Treppe, am dritten Sonntag der Großen Fastenzeit, am Sonntag der Kreuzverehrung. Bevor wir uns näher mit diesem Schema befassen, möchte ich ein paar Dinge über den speziellen spirituellen Charakter der Großen Fastenzeit sagen.    

Die Spiritualität der Großen Fastenzeit ist Mystagogie, also Einführung, Einweisung in die Mysterien, in die tiefsten Geheimnisse des christlichen Glaubens. Fasten im orthodoxen asketischen Sinn bedeutet zunächst einmal Enthaltung von bestimmten, vor allem tierischen Nahrungsmitteln, doch darüber hinaus geht es um einen umfassenden Läuterungsprozeß. In einer Strophe aus dem Fastentriodion (dazu gleich noch mehr) am Mittwoch der Vorfastenwoche heißt es: „Wenn du dich der Speisen enthältst und nicht von Leidenschaften frei dich machst, o meine Seele, dann rühmest du vergebens dich des Fastens. Denn wenn du nicht den Willen hast, dich zu bessern, wirst wie ein Lügner du von Gott gehaßt. Und den schlechtesten Dämonen wirst du gleich, die niemals Speise zu sich nehmen. Nimm also durch die Sünde dem Fasten nicht die Kraft, nein, bleibe unvernünftigen Trieben fest verschlossen. Zeig, daß neben dem Gekreuzigten dein Ort ist, mehr noch, daß du mit Ihm dich kreuzigen lässest, Ihm, Der um deinetwillen gekreuzigt ward, ruf zu Ihm: Gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst.“ In diesem kurzen Text ist die Essenz der Fasten konzentriert: das Freiwerden von den Leidenschaften, also den sündigen Abhängigkeiten und Gewohnheiten, die fehlgeleitete Seelenkräfte darstellen, und das Mitgekreuzigtwerden mit Christus, das in dem Ruf des mit Christus gekreuzigten Räubers mündet: „Gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst.“ Hier ist also schon alles wie in einem Samenkorn angelegt, was sich dann in den folgenden Wochen reichhaltig entfaltet.

Die eigentliche Fastenzeit vor der Leidenswoche und dem Fest der Auferstehung dauert 40 Tage, beginnend am Montag der ersten Woche der Großen Fastenzeit und endend am Freitag vor Palmsonntag. Die Zahl der vierzig Tage bezieht sich auf Christus Selbst, Der vierzig Tage und Nächte in der Wüste fastete (Mt 4,2), und somit ist die Fastenzeit, bildlich gesprochen, ein Gang durch die Wüste oder ein Teilnehmen am Fasten Jesu Christi. Kirchengeschichtlich entwickelte sich die vierzigtägige Fastenzeit aus einem zunächst kürzeren, vorbereitenden Fasten vor der Taufe der Katechumenen (also derer, die sich auf die Taufe vorbereiten) zu Ostern, doch schon im vierten und fünften Jahrhundert ist das allgemeine vorösterliche Fasten unter dem Begriff „Die Vierzig Tage“ (Quadragesima, Tessarakostí) eine anerkannte Einrichtung, wobei ein Unterschied hinsichtlich dessen bestand, ob die Wochenenden, an denen die Eucharistie (das Heilige Abendmahl) gefeiert wurde, mit einbezogen werden sollten oder nicht. So wurde auf Zypern und in Antiochien jeweils an den fünf Wochentagen gefastet, an den Wochenenden aber nicht. Um auf die vierzig Tage zu kommen, wurde die Fastenzeit auf acht Wochen ausgedehnt (8 mal 5 Tage). In Konstantinopel und Ägypten bezog man die Wochenenden mit ein. Nach längeren diesbezüglichen Auseinandersetzungen einigte man sich auf die Gestalt der Fastenzeit, wie wir sie auch heute noch begehen und die bereits im zehnten Jahrhundert in dieser Form existierte. Da die Erwachsenentaufe an Ostern und das vorangehende Katechumenat im Leben der Kirche aufgrund der Kindertaufe zurücktrat, gelangte mehr und mehr der Charakter der Fastenzeit als einer Zeit der Buße, der Rück- und Neubesinnung auf das Wesen des christlichen geistlichen Lebens in den Vordergrund, was sich in dem gottesdienstlichen Textbuch der Fastenzeit, dem Fastentriodion, entstanden im Studion-Kloster in Konstantinopel, niederschlug. Im Unterschied zu den anderen Fastenzeiten, die in der Orthodoxen Kirche etabliert sind (der sechswöchigen Fastenzeit vor dem Fest der Geburt Christi, der zweiwöchigen vor dem Fest des Entschlafens der Gottesmutter und dem Fasten vor dem Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus in wechselnder Länge) gibt es also für die Große Fastenzeit ein eigenes liturgisches Textbuch, sowie ein weiteres für die darauffolgende Zeit zwischen der Auferstehungsnacht und dem Fest Allerheiligen nach Pfingsten. Das Fastentriodion wird „Triodion“ genannt, weil jeweils neben anderen Texten im Morgengottesdienst drei Oden zusätzlich gelesen bzw. gesungen werden.

Die Große Fastenzeit ist eine Schule der Buße (gr. metánoia), der Umkehr, der geistlichen Wiedergeburt. Während in der Urkirche die vorösterliche Fastenzeit zur Vorbereitung der Taufe der Katechumenen, welche während der Osterliturgie stattfand, diente, entwickelte sie sich später zu einer Zeit, deren Bedeutung darin besteht, zur eigenen Taufe zurückzukehren. Man könnte sagen, sie ist eine alljährlich wiederkehrende Zeit der Tauferneuerung. Das Mysterium der Taufe besteht nach orthodoxem Verständnis in drei Aspekten: Erstens werden durch die Taufe die zuvor begangenen Sünden, einschließlich der hereditären, also vererbten Ursünde, d.h. der Urerkrankung der Menschennatur, gelöscht, abgewaschen. Das dreimalige Eintauchen in das Wasser der Taufe symbolisiert den Tod des alten Menschen der Sünde und die Verbindung mit den drei Tagen, die Christus im Grab verbracht hat. Zweitens wird durch die Taufe und die in der Orthodoxen Kirche gleich auf die Taufe folgenden Salbung mit geweihtem Öl, die Myronsalbung (in der kath. Kirche die erst viel später erfolgende Firmung) die Gnade des Heiligen Geistes tief hinein in die Seele gelegt. Sie verbleibt dort wie ein geistliches Samenkorn. Ob es später wächst und gedeiht und Frucht hervorbringt, hängt jedoch in hohem Maß von unseren eigenen Bemühungen ab. Drittens legt der Täufling oder – bei Kleinkindern – der Pate / die Patin ein Gelübde ab, in dem man Satan und all seinen Werken abschwört und sich Christus anschließt. Somit ist die Taufe der Beginn eines neuen Lebens in Christo, wie es in der Perikope des Apostels, in der Stelle aus dem Römer-Brief des hl. Apostels Paulus, die bei der Taufe gelesen wird, heißt:
„Brüder, wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Christus Jesus getauft sind, sind auf seinen Tod hin getauft. Wir sind in seinen Tod hinein mit Ihm durch die Taufe begraben, damit, wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit Ihm im Abbild Seines Todes zusammengewachsen sind, dann werden wir es auch in Seiner Auferstehung sein. Wir wissen ja, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt wurde, damit der Leib der Sünde zerstört werde und wir nicht mehr der Sünde dienen. Denn wer gestorben ist, der ist dadurch frei geworden von der Sünde. Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden. Wir wissen ja, daß Christus von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über Ihn nicht herrschen. Denn was er gestorben ist, so ist er der Sünde gestorben ein für allemal; was er aber lebt, so lebt er Gott. So müßt auch ihr von euch denken; ihr seid tot der Sünde, aber ihr lebt Gott in Christus Jesus, unserem Herrn.“ (Röm 6,3-12). Wir werden später noch auf diesen engen Zusammenhang zwischen Taufe, Tod und Auferstehung Christi zurückkommen.


Wem es gelingen würde, die Taufgnade unbeeinträchtigt zu bewahren, wäre bereits heilig. Doch leider gelingt dies praktisch nie. Die Sünden sind zwar getilgt, doch die Neigung zur Sünde besteht weiterhin. Die alten sündigen Gewohnheiten, die etablierten Strukturen der Persönlichkeit sind auch nach der Taufe noch vorhanden; oder es gibt, zum Beispiel bei den Kleinkindern, aber auch bei Erwachsenen, Einflüsse der Umgebung im engeren oder weiteren Sinn, die dazu drängen, die in der Taufe geschenkte Gnade zu vernachlässigen und sich erneut der Sünde zuzuwenden, das heißt, sich in den gewohnten Bahnen der alten Leidenschaften zu bewegen, oder sie einfach im unablässigen Strom der alltäglichen irdischen Verrichtungen, Sorgen und Bestrebungen zu vergessen. So will uns die Große Fastenzeit zu einer Rückkehr zur eigenen Taufe bewegen, um dadurch erneuert an dem Neuen Leben, das uns Christus durch Seine Auferstehung geschenkt hat, teilzuhaben. Die Große Fastenzeit erinnert uns daran, daß Ziel und Bedeutung unseres irdischen Lebens nicht im irdischen, vergänglichen Leben selbst besteht, sondern „nicht von dieser Welt“ ist, wie Christus zu Pontius Pilatus sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“  

Erzpriester Alexander Schmemann faßt dies in der folgenden prägnanten Aussage zusammen: „Wir können wohl von Zeit zu Zeit unsere verschiedenen Sünden erkennen und bekennen, wir unterlassen es aber, unser Leben auf das Neue Leben, das Christus uns geoffenbart und gegeben hat, auszurichten. In der Tat, wir leben so, als ob Er niemals gekommen wäre. Darin besteht die einzig wahre Sünde, die Sünde aller Sünden, die nicht auslotbare Trostlosigkeit und die Tragödie unseres nur noch nominellen Christseins.“ (Die Große Fastenzeit, S. 12)  

Um uns erneut mit dem Mysterium des Neuen Lebens in Christus zu verbinden, hat die Orthodoxe Kirche diese Folge von Stufen eingerichtet, die wie Stationen einer spirituellen Pilgerreise oder Lektionen einer mystagogischen Einweihung gelesen werden können.

Bevor die eigentliche Fastenzeit mit dem Montag der ersten Fastenwoche beginnt, gehen dieser drei Wochen bzw. fünf Sonntage der Vorbereitung voraus, deren generelle Ausrichtung darin besteht, uns auf verschiedene Aspekte der Umkehr, Reue und Buße einzustimmen (metánoia). Das griechische Wort metánoia bedeutet Sinnesänderung. Die Evangelien berichten, wie Johannes der Täufer die Menschen zu dieser Sinnesänderung, also zur Umkehr und Reue, aufruft: „Kehrt um (metanoeíte), denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ Auch Christus Selbst beginnt Seine Verkündigung mit denselben Worten: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ (Mt 4,17) Ohne die Umkehr, die Metanie, können wir das Nahen des Himmelsreichs, also die wirkliche Nähe Gottes, nicht erfahren, oder anders gesagt: Ohne die Umkehr können wir alles Weitere, was im Evangelium beschrieben wird, nur aus der Perspektive derer, die nicht umgekehrt sind, erleben, also aus der Perspektive der Pharisäer und Schriftgelehrten oder all jener, die gleichgültig blieben. Für sie blieb der Himmel verschlossen. Man kann sich Gott nur nähern, wenn man umkehrt. Was beinhaltet das im einzelnen? Die fünf Sonntage vor Beginn der Großen Fastenzeit führen uns ein in das Mysterium der Umkehr.

An dem Sonntag, der der Vorfastenzeit vorangeht, also am fünften Sonntag vor Beginn der Fastenzeit, wird das Evangelium über Zachäus (Lk 19,1-10) gelesen. Zachäus war ein reicher Zollpächter in Jericho, und er war klein von Gestalt. Zollpächter oder Zöllner galten im Judentum als verabscheuungswürdige, sündige Menschen, die im Dienst der römischen Besatzungsmacht andere ausbeuteten und somit auf unlautere Weise zu Reichtum kamen. Dieser Zöllner Zachäus aber wollte Jesus sehen, als Dieser durch Jericho ging, und da er klein war und die Menge ihm die Sicht versperrte, kletterte er auf einen Baum. Als Jesus vorbeikam, blickte Jesus zu dem Baum hinauf und sagte zu Zachäus: „Komm schnell herunter, denn Ich muß heute in deinem Haus zu Gast sein.“ Zachäus steigt schnell herunter und nimmt Jesus als Gast bei sich auf, worüber große Empörung unter den Leuten entsteht, da Jesus bei solch einem Sünder einkehrt. Doch Zachäus gelobt, seine Lebensweise zu ändern, die Hälfte seines Vermögens den Armen zu geben und denen, die er übervorteilt hat, das Vierfache zurückzugeben. Jesus sagt daraufhin: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden… Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

Das Motiv, das Zachäus dazu bringt, auf den Baum zu steigen, ist die ihm vielleicht noch unbewußte Sehnsucht nach dem Heil. Er ist vielleicht zunächst nur neugierig, aber Jesus erkennt, daß in seinem Inneren das brennende Verlangen vorhanden ist, sein Leben von Grund auf zu ändern und Gott zu begegnen. So „kommt das Himmelreich nahe herbei“, der Menschensohn, der Sohn Gottes, tritt in sein Haus ein und wird sein Gast. Zachäus ist klein von Gestalt, unscheinbar, ein Sünder, doch er wächst in seinem Verlangen über sich hinaus. Das ist also der erste Impuls zur Metanie, zur Umkehr: Wir müssen wirklich wünschen, wir müssen begehren, Gott näherzukommen; wir müssen einen Hunger, einen Durst nach der Wahrheit, nach dem Absoluten, nach dem Himmel verspüren, wenn wir uns dem Himmel nähern wollen. Wir müssen hinaufklettern, aufsteigen, über uns hinauswachsen im Verlangen, ein neues Leben zu führen und die Nähe des Himmels zu erfahren; so kommt Gott als Gast zu uns und spendet uns Heil.

Der darauffolgende Sonntag ist der Sonntag des Zöllners und Pharisäers. Nun beginnt man auch, die Texte des liturgischen Buchs der Fastenzeit zu lesen bzw. zu singen, des Triodions. Das Buch heißt, wie gesagt, Triodion, weil an jedem Tag im Morgengottesdienst im allgemeinen drei Oden (Tri-Odion) zusätzlich zu den üblichen Wechseltexten gelesen bzw. gesungen werden. Dieses Buch ist an sich schon eine außerordentlich reichhaltige Anleitung zum geistlichen Leben, eine Mystagogie zur Hinführung in die tiefen Geheimnisse des christlichen Lebens. Das Thema dieses ersten Sonntags ist die Demut im Gegensatz zur Selbstgerechtigkeit. Selbstgerechtigkeit ist eines der größten Hindernisse auf dem geistlichen Weg, während Demut die unverzichtbare Grundlage dafür ist. Im Evangelium, das an diesem Sonntag gelesen wird (Lk 18,10-14) werden in einem Gleichnis zwei Menschen gegenübergestellt. Der eine ist ein Pharisäer, das heißt ein Vertreter der damaligen religiösen Oberschicht, die für das buchstäbliche Einhalten der Gesetzesvorschriften des Alten Bundes eintrat, aber in diesem buchstäblichen Verständnis, also in Regeln und Vorschriften, steckenblieb. Der andere ist ein Zöllner, also wieder einer der verachteten Steuereintreiber, wie es schon Zachäus am vorherigen Sonntag war. Beide gehen in den Tempel, um zu beten. Im Gleichnis des Evangeliums wird geschildert, wie der Pharisäer sich vor Gott seiner Tugenden rühmt und selbstgerecht bekundet, daß er nicht wie andere Menschen, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder „dieser Zöllner hier“ sündigt; daß er zweimal in der Woche fastet und den zehnten Teil seines Einkommens an den Tempel spendet. Der Zöllner hingegen bleibt ganz hinten im Tempel stehen, wagt nicht, seine Augen zum Himmel zu erheben, schlägt sich an die Brust und sagt: Gott sei mir Sünder gnädig. Jesus beschließt das Gleichnis damit, daß dieser, also der Zöllner, als Gerechter nach Hause zurückkehrt, der Pharisäer aber nicht, und Er schließt mit den Worten: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

Die Tugenden des Pharisäers sind an sich nicht schlecht, das Problem besteht darin, daß er seine Identität auf die innere Überzeugung stützt, er sei ein „guter Mensch“. Der Zöllner hingegen erkennt seine Sündhaftigkeit und spürt, daß allein Gott ihn durch Seine Gnade davon befreien kann. Der Blick des Zöllners auf den Zustand seiner Seele und seines Lebens ist realistisch, der des Pharisäers ideologisch, das heißt, er schafft sich seine eigene Realität, in der er „gut dasteht“. Selbstgerechtigkeit ist eine Erscheinungsweise des Hochmuts, der Urerkrankung der Menschennatur, und sie tritt in vielerlei Formen zutage, gerade auch bei religiösen, moralischen oder gebildeten Menschen. Auf dem geistlichen Pfad, der uns durch die Große Fastenzeit hin zur Auferstehung Christi führt, müssen wir sie hinter uns lassen und uns unserer tiefen Sündhaftigkeit stellen. Nur dann erhalten wir ein Gespür dafür, daß allein Gott uns durch Seine Gnade retten kann, wir selbst können uns durch eigene Anstrengungen, und seien sie auch noch so groß und subjektiv aufrichtig, nicht von der Sündenkrankheit befreien, wir können uns nicht selbst heilen. Was aber ist Demut? Sie ist zunächst eine göttliche Eigenschaft. „Lernt von Mir, denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ So erfahren wir am besten, was Demut ist, wenn wir unseren Blick auf Christus richten, den menschgewordenen Gott Selbst, Der aus Seiner unbegreiflichen Erhabenheit herabstieg und Sich erniedrigte bis zum Tod am Kreuz. Zweitens besteht eine Quelle der Demut darin, sich selbst als Geschöpf Gottes, geschaffen aus dem Nichts, zu sehen. Nichts gehört einem selbst, alles gehört Gott, außer der eigenen Sünden, sagen die Heiligen Väter. Und drittens wird man demütig, wenn man sich selbst im Spiegel Christi betrachtet: Im Angesicht der unermeßlichen Heiligkeit Gottes wird man sich der eigenen Verdorbenheit und Niedrigkeit gewahr und sieht, daß man der „Erste der Sünder“ ist, wie das der hl. Apostel Paulus formuliert hat.

Es ist eine große und weitreichende Lektion, mit der die geistliche Schule der Großen Fastenzeit hier beginnt, und es bedürfte eines eigenen Vortrags allein zum Thema der Demut. Wir können hier allenfalls einen Überblick, eine Anregung vermitteln.

In der Vigil, der Nachtwache, des Vorabends bzw. im Morgengottesdienst dieses ersten Sonntags der Vorfastenzeit erklingt nach dem 50. (51.) Psalm, dem Bußpsalm Davids, zum ersten Mal jener Gesang, der zum Leitmotiv der ganzen Fastenzeit wird:

Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Öffne mir der Reue Pforte, Lebensspender. Denn früh am Morgen erhebt sich mein Geist zu Deinem heiligen Tempel, und trägt doch zugleich den ganz befleckten Tempel meines Leibes.

Du aber reinige mich, Mitleidsvoller, durch Dein großes Erbarmen!

Jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Ebne mir den Weg des Heils, o Gottesgebärerin. Denn mit schändlichen Sünden habe ich meine Seele befleckt und mein ganzes Leben leichtfertig vergeudet.

Durch Deine Fürbitten befreie mich von aller Unreinheit!

Vers:

Erbarmer, erbarme Dich meiner, o Gott, in Deinem großen Erbarmen,

und in der Fülle Deiner Gnade lösch aus meine unrechte Tat.

Wenn ich Elender die Fülle meiner Untaten bedenke, dann schaudert mich vor dem furchtbaren Tag des Gerichts. Doch im Vertrauen auf Deine milde Barmherzigkeit rufe ich wie David zu Dir:

Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deinem großen Erbarmen!

Am zweiten Sonntag der Vorfastenzeit steht das Gleichnis vom Verlorenen Sohn im Mittelpunkt. Es handelt davon, daß ein Sohn vom Vater sein Erbteil fordert, fortzieht in ein fremdes Land, dort seinen ganzen Besitz mit Ausschweifungen verpraßt und schließlich, weil er aus Hunger bei einem Fremden Schweine hüten muß, zur Einsicht gelangt und umkehrt, zum Vater zurückkehrt, wo er von diesem mit Freude wieder aufgenommen wird. Es ist das Gleichnis von der Gottesferne, in die uns die Sünde hineintreibt, und in einem schmerzhaften Empfinden des Verbanntseins von Gott zur Umkehr, zur Rückkehr zu Gott, unserem Vater, führt. Es ist ein sehr tiefgründiges Gleichnis, ein ganzes Evangelium an sich, das von der Ferne von Gott, der Erinnerung an Ihn und der Rückkehr zu Ihm handelt. Während des Morgengottesdienstes des Sonntags wird Psalm 136/137 gesunden, der Psalm des Exils:

An den Flüssen von Babylon saßen wir und weinten, Sions gedenkend… Der Psalm des Volkes Israel in der babylonischen Gefangenschaft und seit jeher der Psalm jener, die sich in dieser gefallenen Welt und in ihrem eigenen gefallenen Zustand nach der Rückkehr in die verlorene Gemeinschaft mit Gott sehnen. Dieser Psalm wird noch zweimal gesungen, an den folgenden beiden Sonntagen, und dies ist ein weiterer Hinweis darauf, daß die Fastenzeit eine Pilgerschaft, eine Zeit der Umkehr und Rückkehr zu Gott ist.

Der dritte Sonntag der Vorfastenzeit ist der Sonntag des Fleischverzichts oder des Jüngsten Gerichts. Fleischverzicht, weil darauf eine Woche des begrenzten Fastens folgt, in der auf Fleisch verzichtet wird, Butterwoche oder Käsewoche genannt. Die Kirche stimmt uns durch diesen Verzicht auf fleischhaltige Nahrungsmittel auf die dann folgende größere Anstrengung der Fastenzeit ein, in der auf alle tierischen Nahrungsmittel, also auch auf Milch, Käse, Butter, Fisch sowie an den Wochentagen auch auf Öl und Wein (Alkohol) verzichtet wird (an den Wochenenden ist Öl und Wein erlaubt). In der Liturgie wird das Gleichnis vom Letzten Gericht (Mt 25,31-46) gelesen, bei dem das Hauptkriterium Barmherzigkeit ist: die wirkliche, sich in der Tat erweisende Liebe zum Nächsten. In unserem Nächsten und in seinem Leid begegnet uns Christus Selbst, auch wenn uns das nicht bewußt ist, und wir werden im Letzten Gericht daran gemessen werden, wie wir auf das Leid, auf die Person des Anderen, des Mitmenschen reagiert haben: barmherzig und mit Liebe – oder unbarmherzig und lieblos.

In der Woche vor dem letzten, dem vierten Sonntag der Vorfastenzeit, stimmen uns die Texte des Triodions auf die Fastenzeit ein:

Einer dieser Texte lautet:

„Der Frühling des Fastens ist angebrochen,

das Licht des Bereuens!

Brüder, reinigen wir uns von allem Bösen,

und laßt uns Ihm, dem Geber des Lichtes, zurufen:

Ehre Dir, Du Menschenliebender!“

Am Samstag dieser Woche gedenkt die Kirche „aller Männer und Frauen, die durch ihr Fasten erleuchtet worden sind“: der Heiligen, die wir als unsere Vorbilder in der Kunst des Fastens und des Bereuens betrachten können. Auch dieser Sonntag trägt eine doppelte Bezeichnung: der Sonntag des Verzeihens und der „Vertreibung Adams aus dem Paradies der Wonnen“. Die liturgischen Texte erinnern daran, daß der Mensch für das Paradies der Gottesnähe, der Gemeinschaft mit Gott geschaffen wurde, es aber durch den Sündenfall verloren hat. Sie erinnern an die große Urkatastrophe der Menschheit, durch die alle weiteren Katastrophen bedingt sind: Die Menschheit ist aus einem gesegneten Zustand der Gemeinschaft mit Gott durch die Ursünde herausgefallen und in einen Zustand des Unheils und der Todesverfallenheit geraten. Den Weg aus diesem Zustand heraus, um erneut die Gemeinschaft mit Gott zu erfahren, weist uns die Fastenzeit. Zwei Bedingungen dieser Befreiung werden an diesem Sonntag thematisiert: das Fasten und das Verzeihen. Fasten im umfassenden Sinn bedeutet laut Erzpr. Alexander Schmemann: „die Weigerung, die Begierlichkeiten und Triebe unserer gefallenen Natur als gegeben anzunehmen; und es bedeutet das Bemühen, uns von der Tyrannei des Fleisches und der Materie über den Geist zu befreien“ (Schmemann, S. 23). Doch das Fasten darf nicht heuchlerisch, nicht prahlerisch geschehen, sondern im verborgenen vor Gott.

Die zweite Bedingung ist das Verzeihen: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, wird euch euer himmlischer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben“, heißt es im Evangelium dieses Sonntags (Mt 6,14-15). Die Sünde besteht fort, lebt weiter, multipliziert sich, eskaliert, wo es kein Verzeihen gibt. Derjenige, der im Groll über die Verfehlungen des oder der anderen verharrt, bleibt in diesem Zustand gefangen und bleibt ausgeschlossen vom Licht der Liebe Gottes, das gilt für jeden einzelnen wie auch für ganze Gesellschaften und Nationen, und es ist in der heutigen Zeit aktueller denn je. Und so bittet man an diesem Tag einander, und liturgisch in der letzten Vesper vor der Fastenzeit, der Vergebungsvesper, um Vergebung, um befreit von irgendeinem Groll die Fastenzeit zu beginnen.

Die Thematik des Kreuzes Christi rückt in der Woche vor dem letzten Fastensonntag bereits mehrfach in den Vordergrund, und sie wird sich im Lauf der Fastenzeit weiter intensivieren:

Am Mittwoch der Butterwoche, also der Woche vor dem letzten Vorfastensonntag, heißt es:

„Ausgestreckt hast Du an Deinem Kreuz die Hände. Durch Deinen Tod hast Du den Tod getötet, die Menschen durch Dein Leid zum Leben auferweckt. Drum preisen wir Dein heilig Kreuz in Hymnen, Jesus, Menschenfreund, Du unser Gott.

Durch die Frucht vom Baume wurden wir getötet. Durch Deinen Kreuzesbaum erhielten wir das Leben. Geschlagen wurdest Du an das Kreuz, mein Jesus, um Meinetwillen.

Am Kreuz hast Du die heiligen Hände ausgebreitet, hast zusammengefügt, was vorher getrennt war, o Erlöser.“

(Triodion, Mittwoch der Butterwoche, 3. und 9. Ode)

Nun beginnt die eigentliche Fastenzeit. Fasten bedeutet, wie gesagt, zunächst einmal Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, auf alle tierischen Produkte, Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Käse usw., sowie auf die Verwendung von Öl und auf Wein, also Alkohol im allgemeinen. An den Wochenenden der Großen Fastenzeit wird diese strenge Regel ein wenig gelockert, Wein und Öl sind erlaubt. Wer gesundheitliche Probleme hat, kann nach Rücksprache mit dem Priester die Strenge dieser Auflagen lockern, ebenso Schwangere und Kinder. Doch es geht in der Fastenzeit nicht nur um eine Einschränkung der Nahrungsmittel oder um die Einhaltung bestimmter formaler Verpflichtungen, sondern um die Einstimmung in die besondere Atmosphäre der Fastenzeit, um einen zeitweiligen Rückzug aus der Welt, damit man sich einer umfassenden Reinigung, einer Läuterung der ganzen Person unterziehen kann. Dazu tragen das liturgische und persönliche Gebet und die verschiedenen Ausdrucksformen des liturgischen Lebens dieser Zeit bei, die eine einzigartige Atmosphäre der „Kunst des Bereuens“ ermöglichen. Diese Atmosphäre kann man als „glanzausstrahlende Traurigkeit“ (Schmemann) oder „Freudentrauer“ beschreiben: eine Trauer über die Sünde und Gottesferne, zugleich aber auch eine Freude über die Möglichkeit zur Läuterung und Neuannäherung an Gott, die man in dem Ruf zusammenfassen könnte: „Das Heil ist nahe, laßt uns ihm entgegenstreben!“

Die langen und monoton erscheinenden Gottesdienste dieser Zeit tragen dazu bei, aus der Geschäftigkeit des Alltags herauszutreten und die schnellebige Oberfächlichkeit des weltlichen Lebens zu verlassen. Sie vermitteln einen Sinn für das Ewige, Zeitlose, für einen Frieden, der „nicht von dieser Welt“ ist. Ein Leitmotiv dieser Gottesdienste wie auch des persönlichen, häuslichen Gebets ist das Gebet des hl. Ephräm des Syrers. Es lautet:

„Herr und Gebieter meines Lebens,

den Geist der Trägheit, des Kleinmuts,

der Herrschsucht und der unnützen Worte nimm von mir.

Gewähre mir, Deinem Diener, den Geist

Der Keuschheit, der Demut,

der Geduld und der Liebe.

Ja, mein Herr und mein König,

laß mich sehen meine Fehler,

und meinen Bruder nicht verurteilen,

denn Du bist gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Auch dieses Gebet ist im Grunde ein konzentrierter Ausdruck des gesamten geistlichen Lebens der christlichen Orthodoxie. Trägheit, Kleinmut, Herrschsucht und Geschwätzigkeit sind die wesentlichen Fesseln, die uns am spirituellen Aufstieg zu Gott hindern. Trägheit ist eine seltsame Apathie, die die geistliche Anstrengung für nutzlos erachtet, ein Widerwillen gegen Gebet und Gottesdienst, eine Selbstsuggestion, daß doch alle Anstrengung nutzlos und vergeblich ist und sich doch nichts ändert. Aus dieser Trägheit resultiert Kleinmut, das Verzagen, eine depressive und negativ-pessimistische Grundstimmung. Als Kompensation daraus kann Herrschsucht entstehen: Wenn nicht Gott der Mittelpunkt meines Lebens ist, sondern ich selbst, mein Ego, dann versucht dieses, die Mitmenschen im Sinne meiner Stimmungen, Vorstellungen und Ziele zu dominieren. Das kann sich auch in Rücksichtslosigkeit, Gleichgültigkeit, Verachtung, Mangel an Interesse gegenüber anderen äußern. Die Herrsucht ergänzt den spirituellen Selbstmord, den Trägheit und Verzagen verursachen, durch den spirituellen Mord an anderen.

Schließlich zementiert das „leere Geschwätz“, die nutzlose Rede, all dies in Form einer Oberflächlichkeit, die keine Tiefe, keine Erkennntnis der Wahrheit, keine Umkehr mehr zuläßt.

Diesen vier grundlegenden Ausdrucksformen unserer geistlichen Hindernisse setzt das Gebet vier positive Ziele entgegen. Erstens die Keuschheit. Das deutsche Wort gibt nicht die umfassende Bedeutung des griechischen Begriffs sofrosyne und des kirchenslavischen tselomudrie wieder, sondern wird fälschlicherweise auf sexuelle Enthaltsamkeit reduziert. Diese Begriffe bezeichnen jedoch eine ganzheitliche Weisheit, eine umfassende Vernünftigkeit. Dies ist das Gegenteil der Trägheit, die sich in einer unnützen Verzettelung unserer Lebensenergie äußert, was sich oftmals im kompensatorischen Streben nach oberflächlichem Genuß, auch sexuellem Genuß, äußert. Keuschheit, also sofrosyne oder tselomudrie, bezeichnet die Aufhebung der Gebrochenheit und Zersplitterung unserer Existenz und die Rückkehr zu einer Ganzheit und Unversehrtheit der menschlichen Natur, die durch Christus möglich wird und uns zu Gott zurückführt.

Die erste Frucht dieser Unversehrtheit oder Keuschheit ist die Demut. Sie ist der Sieg der Wahrheit in uns, die Tilgung all jener Lügen der Selbstgerechtigkeit und der Illusionen, mit denen wir uns umhüllen und mit denen wir gewöhnlich leben.

Folge von Keuschheit und Demut ist die Geduld. Wenn wir alles nach eigenen Vorstellungen und Zielen beurteilen, sind wir ungeduldig, gereizt, mürrisch, mißmutig. Geduld ist das Gegenteil davon: Sie ist ein Wissen darum, daß Gott Selbst die Wege unseres Lebens zu unserem Heil hin lenkt, auch wenn wir nicht alle Vorgänge verstehen. Sie ist auch ein geduldiges, verständnisvolles Ertragen und Mittragen der Fehler und Schwächen unserer Mitmenschen und somit das Gegenteil von Herrschsucht. Geduld gewährt inneren Frieden und Gelassenheit.

Schließlich mündet alles in der Liebe, der Krönung und der Frucht der Tugenden. Gott ist Liebe, wie uns der hl. Apostel und Evangelist Johannes mitteilt, und wir gelangen nur in die uns bestimmte Ähnlichkeit mit Gott, unserem Urbild, wenn wir in die göttliche Liebe eintreten. Dies alles können wir nicht allein durch eigene Bemühung verwirklichen, wir bedürfen der Hilfe und Führung Gottes, deshalb bitten wir Gott in diesem Gebet darum. Damit wir aber nicht aber nicht wieder dem größten Hindernis im geistlichen Leben, dem Hochmut, zum Opfer fallen, bitten wir weiter darum, daß Gott uns unsere Fehler zu sehen gebe und daß wir unsere Nächsten nicht wegen ihrer Fehler verurteilen, denn dieses Verurteilen ist genau Ausdruck des alten Hochmuts des gefallenen Egos.

Das Gebet schließt mit einer Doxologie, einer Lobpreisung Gottes, und knüpft damit an den Anfang an, in dem wir Gott als Herrn und Gebieter unseres Lebens, als Richter über uns und Ausrichter unseres Lebens zum Heil hin anrufen. Das Gebet wird begleitet von einer Reihe von Verbeugungen und Niederwerfungen (Großen und kleinen Metanien), um auch den Körper mit einzubeziehen. Überhaupt ist die Große Fastenzeit von vielen dieser Buß- und Demutsgesten begleitet; es ist eine psychosomatische, ganzheitliche Praxis.

Die erste Woche der Großen Fastenzeit ist eine Woche strengen Fastens und langer Gottesdienste. An den ersten vier Abenden wird in den Kirchen der Große Kanon des hl. Andreas von Kreta gelesen, eine sehr umfangreiche und bedeutungsvolle Dichtung aus dem 8. Jahrhundert, in der sich Bekundung der eigenen Sündhaftigkeit, Selbstanklage, Reue und die Bitte um Vergebung und Läuterung anhand zahlreicher Beispiele aus dem Alten und Neuen Testament abwechseln. In den Gottesdiensten der gesamten Fastenzeit werden drei Bücher des Alten Testaments abschnittsweise gelesen: Genesis, also das 1. Buch Mose – an den ersten Tagen der ersten Fastenwoche die Phasen der Weltschöpfung und am Freitag dann der Bericht des Sündenfalls, was zum einen auf eine Rückbesinnung auf den Anfang, zum anderen einen Ausblick auf das Karfreitagsgeschehen beinhaltet; das Buch der Sprichwörter – als eine Zusammenfassung der ethischen Lehren des Alten Bundes; und das Buch des Propheten Jesaja – des größten der Propheten, in dem das Mysteriums des Heils durch die Leiden und das Opfer Christi bereits vorgezeichnet ist. Später wird zudem noch der Anfang und das Ende des Buches Hiob, des gerechten Leidensdulders, gelesen.  

Am Mittwoch und am Freitag dieser wie auch der folgenden Wochen wird die Liturgie der Vorgeweihten Gaben gefeiert. Dies ist eine besondere Form der Liturgie, die auf die Große Fastenzeit beschränkt ist. Fasten und die Feier der Eucharistie mit der Heiligen Kommunion in ihrem Zentrum schließen einander eigentlich aus, denn die Eucharistie beinhaltet nach orthodoxer Auffassung die reale Gegenwart, das Kommen und die Präsenz Christi im Heiligen Abendmahl, eine Vorwegnahme der ewigen Freude im Reich Gottes. „Die Söhne des Reiches können nicht fasten“, sagt Christus, „wenn der Bräutigam unter ihnen weilt“ (Mt 9,15), und genau dieses „Unter-uns-Weilen“ geschieht in der Eucharistischen Feier der Göttlichen Liturgie. Die Eucharistiefeier ist ein fortwährendes Geschehen der Freude, und sie ist durchdrungen vom Licht der Auferstehung Christi. Fasten hingegen bedeutet, noch auf dem Weg zu sein; Pilger zu sein auf dem Weg zu dieser Gegenwart. Dennoch bedarf der Mensch gerade auf dem langen Weg der Großen Fastenzeit auch wochentags der geistlichen Stärkung für den Kampf, und das wirksamste Mittel dazu ist der Empfang der Heiligen Gaben. Und so wird ein Teil der am Sonntag geweihten Gaben auf dem Altar aufbewahrt und dann mittwochs und freitags an die Gläubigen ausgeteilt. Dies geschieht im Verlauf eines liturgischen Dienstes, der sich an den Vespergottesdienst anschließt, somit vom Prinzip her am Abend stattfindet. Jedem Empfang der Heiligen Gaben geht als Vorbereitung ein längeres vollständiges Fasten voraus, d.h. man nimmt vor dem Empfang der Kommunion am Sonntagvormittag von Mitternacht des vorherigen Tages an nichts mehr zu sich, weder Essen noch Trinken. Wenn die Gaben am Abend empfangen werden, geht auch diesem Empfang ein vollständiges Fasten voraus, das sich im Prinzip über den ganzen Tag hin erstreckt. Der Sinn all dieser Vorschriften, die in den Kanones, also dem verbindlichen Regelwerk, der alten Kirche festgelegt sind und von der Orthodoxen Kirche nach wie vor praktiziert werden, liegt darin, den Menschen seelisch und körperlich möglichst optimal auf diesen Höhepunkt seines christlichen Daseins, diese Krönung, die im Empfang der allerheiligsten Mysterien besteht, vorzubereiten. Um einen Gipfel zu besteigen, bedarf es einer vorausgehenden Anstrengung; umso größer ist die Freude, wenn man ihn erreicht.

Die vierzig Tage der Großen Fastenzeit werden oft verglichen mit den vierzig Jahren, die das Volk Israel in der Wüste verbrachte; deren Ankunft im verheißenen Land entspricht dann dem Fest der Auferstehung. Diese sechs Wochen plus der anschließenden Karwoche sind eine recht lange Zeit, eine Zeit verstärkter spiritueller Kämpfe, eine Zeit der Disziplin und des Durchhaltevermögens. Sie ist wie eine lange Pilgerreise durch die Wüste, aber auch in der Wüste wirkte (im Fall des Volkes Israel) und wirkt (in unserer Fastenzeit) der Herr Wunder. Jeder Samstag und jeder Sonntag entsprechen einem „Zwischenhalt“ auf diesem Weg, einer Oase, in der man neue Kraft schöpft.

Die Samstage der Großen Fastenzeit haben eine besondere Bedeutung: Das Sabbatgebot des Alten Testaments wird durch den Sonntag nicht aufgehoben, sondern der Sabbat wird auf eine neue Ebene hinaufgehoben. Der Sabbat bleibt der siebte Tag, an dem Gott ruht und die Schöpfung als „sehr gut“ erkennt, es bleibt der gesegnete und geheiligte Tag, wenngleich die alttestamentlichen und erst recht die pharisäischen Vorschriften für Christen keine Bedeutung mehr haben, wenn es um den geistigen Gehalt dessen geht, was Vollendung der Schöpfung und Gottes Ruhe bedeuten. Der Sonntag hingegen wurde in der gesamten Tradition der Urkirche als der achte Tag – oder der erste Tag – betrachtet, als Tag der Transzendenz, der Überschreitung der Grenzen dieser Welt. Die Sabbatruhe wurde von Christus erfüllt und vollendet, als Er nach der Kreuzigung im Grab ruhte; der Sonntag ist der Beginn einer neuen Welt. Alle Samstage des liturgischen Jahres erhalten ihre Bedeutung von zwei entscheidenden Samstagen: dem der Auferweckung des Lazarus vor dem Palmsonntag, also vor dem Einzug Christi nach Jerusalem, wobei die Auferweckung des Lazarus eine Ankündigung und Zusicherung der Auferstehung Christi und der universalen Auferweckung beinhaltet. Zum zweiten durch den Großen und Heiligen Sabbat vor Ostern, an dem der Tod selbst umgestaltet und zu einem „Hinübergehen“ in das Leben der Auferstehung wird. Die Samstage sind, liturgisch gesehen, Tage des Innehaltens und durch Lesungen aus dem Hebräerbrief der Betrachtung der Heilsgeschichte, der Pilgerschaft, der Verheißung und des Glaubens an die kommenden Dinge charakterisiert. Zweitens sind es, ausgenommen der erste Samstag und der fünfte, der Akathistos-Samstag (an dem der Akathistos-Hymnus an die Gottesmutter gesungen wird), Tage des Gedenkens der Verstorbenen, also all jener, die „in der Hoffnung auf die Auferweckung und das Ewige Leben“ im Herrn entschlafen sind.

Die Sonntage der Großen Fastenzeit sind ebenfalls durch die gottesdienstlichen Texte und der Apostel- und Evangelienlesungen jeweils einer doppelten Thematik gewidmet, zum einen der Abfolge der Fastenzeit auf ihrem Weg hin zur Passionswoche und Christi Auferstehung, zum anderen noch einer jeweils besonderen, zusätzlichen Thematik. So wird am ersten Sonntag der Fastenzeit das Gedenken an den Sieg über den Ikonoklasmus (Feindschaft gegen die Ikonen) und die Wiedereinführung der Ikonenverehrung in Konstantinopel im Jahr 843 gedacht, wobei die Verknüpfung mit der Fastenzeit historisch bedingt ist: jener Erfolg der Orthodoxie fand an diesem besonderen Sonntag statt. Am zweiten Sonntag wird des hl. Gregor Palamas gedacht, des großen orthodoxen Theologen des 14. Jh., der einen bedeutenden Beitrag zur Abwehr theologischer Irrlehren und zur Fundierung der für die orthodoxe Spiritualität grundlegenden Unterscheidung zwischen Wesen und Energien Gottes geleistet hat (darauf können wir hier nicht eingehen). Die Sonntage 3 bis 5 sind enger mit der Thematik der Fastenzeit verknüpft. Der dritte Sonntag ist jener der Kreuzverehrung (der heutige), der vierte Sonntag ist dem hl. Johannes Klimakos gewidmet, dem Verfasser des Buches „Leiter zum Paradies“, dem für das Mönchtum, aber auch für Laien grundlegenden Werk zur Praxis des geistlichen Leben aus dem 7. Jahrhundert, dessen 30 Kapitel jeweils einem bestimmten Aspekt davon gewidmet ist und das zugleich ein umfassendes Schulungswerk im Bereich der orthodoxen Askese und Psychotherapie darstellt, der spirituellen Behandlung zur Heilung und Gesundheit der Seele. Der fünfte Sonntag ist der hl. Maria von Ägypten gewidmet, einer Frau aus Alexandria, die ein sehr sinnliches, ausschweifendes Leben führte, zur Verehrung des Heiligen Kreuzes nach Jerusalem reiste, dort ein tiefgreifendes Bekehrungserlebnis erfuhr, woraufhin sie sich in die Wüste jenseits des Jordans zurückzog, in der sie 47 Jahre lang blieb und eine außerordentliche Höhe der Heiligkeit errang. Sie ist ein Vorbild dafür, wie sich ein Mensch durch Gottes Gnade auch von großen Sünden reinigen und zur Heiligkeit gelangen kann. Der sechste Sonntag gehört im Grunde nicht mehr zur eigentlichen Fastenzeit, es ist der Palmsonntag, das Gedenken des Einzugs Christi in Jerusalem, mit dem die Passionswoche ihren Anfang nimmt.      

Es ist im Rahmen dieses Vortrags natürlich nur möglich, einen allgemeinen Umriß der Großen Fastenzeit zu vermitteln; das wirkliche Maß, der Umfang, die Tiefe und Bedeutung dieser geistlichen Schulung erschließt sich wie bei jeder Schulung nur denjenigen, die daran im Mitvollzug aktiv teilnehmen. Wir kommen nun nach diesem allgemeinen Überblick zum zweiten Teils dieses Vortrags: der Sonntag der Kreuzverehrung.

2. Sonntag der Kreuzverehrung

Wir befinden uns nun in der Mitte der Großen Fastenzeit, auf dem halben Weg unserer Reise zur Auferstehung Christi. Das geschmückte Kreuz wird in einer Prozession in die Kirchenmitte gebracht, unter Hymnen verehrt und bleibt dort die ganze Woche über zur Verehrung ausgestellt. Der entsprechende Text aus dem Synaxarion (Kommentare zu den Festen und Heiligenleben) lautet wie folgt:

„An diesem Sonntag, dem dritten in der Fastenzeit, feiern wir die Verehrung des kostbaren und lebenspendenden Kreuzes, damit wir uns während des vierzigtägigen Fastens in gewisser Weise selbst kreuzigen, … und Bitterkeit, Verzagtheit und Niedergeschlagenheit verspüren. Das lebenschaffende Kreuz wird dargeboten zur Ermutigung und Zuversichtlichkeit, zur Erinnerung an die Passion unseres Herrn und zu unserer Erleichterung … Wir sind wie jene, die einen langen und steinigen Weg durchlaufen haben, nunmehr ermüdet sind und sich im Schatten, den die Blätter eines herrlichen Baumes spenden, kurzfristig ausruhen, um sich dann, wie verjüngt, wieder auf den Weg zu machen. So wurde gleichsam heute in der Zeit des Fastens, des beschwerlichen Weges und der Mühen von den Heiligen Vätern das lebenspendende Kreuz in unserer Mitte eingepflanzt, um uns Rast und Erfrischung zu gewähren, um uns für die verbliebene Aufgabe unbeschwert und ermutigt zu machen … Um ein weiteres Beispiel zu geben: Es ist wie bei der Ankunft eines Königs. Sein Banner und seine Insignien gehen ihm voraus, dann folgt er selbst, strahlend, sich seines Sieges freuend und seine Untertanen beglückend. Ebenso hat unser Herr Jesus Christus, Der uns bald Seinen Sieg über den Tod kundtun und am Tage Seiner Auferstehung in Herrlichkeit erscheinen wird, uns im voraus Sein Zepter, das königliche Zeichen, das lebendigmachende Kreuz geschickt, das uns, soweit wie nur möglich, mit Freude erfüllt und uns bereit macht, bald den König selbst zu empfangen und Seinem Sieg Ehre zu erweisen. … Das alles in der Mitte der Fastenzeit, die einer herben Quelle ähnlich ist wegen der Tränen Mühen und Verzagtheit … aber Christus tröstet uns, die wir sozusagen durch die Wüste wandeln, bis daß Er uns zu dem geistigen Jerusalem durch Seine eigene Auferstehung gelangen läßt … Dieses Kreuz wird ‚Baum des Lebens‘ genannt. Ein Baum war mitten im Paradies gepflanzt, deshalb haben die Heiligen Väter den Baum des Kreuzes in die Mitte der heiligen Fastenzeit gepflanzt, um uns an die Seligkeit Adams wie aber auch an deren herben Verlust zu erinnern. Wir aber werden daran erinnert, daß wir durch Teilhabe an diesem Baum nicht mehr sterben, sondern leben…“

„… durch Teilhabe an diesem Baum nicht mehr sterben, sondern leben…“ Darauf müssen wir nun genauer eingehen. Was bedeutet „Teilhabe an diesem Baum“, also am Kreuz, und inwiefern werden wir „nicht mehr sterben, sondern leben“?  

Was bedeutet das Kreuz, das nun seit ungefähr zweitausend Jahren Symbol oder Emblem des christlichen Weges, also der Nachfolge Christi ist? Wieso messen wir ihm solche tiefe und umfassende Bedeutung bei, wieso verehren wir es in der Mitte der Fastenzeit?

Für Außenstehende, also Nicht-Christen, aber auch für Gläubige der westlichen Konfessionen, die solche Verehrungsgesten und –riten nicht kennen, wie sie in der Orthodoxie praktiziert werden, kann die Verehrung des geschmückten Kreuzes in der Kirche und in Bestandteilen der Gottesdienste mit Verbeugungen und Küssen befremdlich oder sonderbar erscheinen. Das Kreuz ist immerhin eine Nachbildung des brutalsten Hinrichtungswerkzeuges des antiken Römischen Imperiums; die Kreuzigung war eine außerordentlich entwürdigende und schmerzhafte Methode der Exekution. Sie verband die Todesstrafe mit einer vorangehenden langwierigen Folter.

In einer historischen Beschreibung der Kreuzigung ist zu lesen:

„Die römische Hinrichtungsmethode des Kreuzigens sollte einen dazu Verurteilten absichtlich besonders langsam und grausam töten. Es konnte Tage dauern, bis sein Tod eintrat. Das möglichst lange qualvolle Sterben der Gekreuzigten sollte den Verurteilten demütigen und den Betrachter einschüchtern und abschrecken.

Die vollständige römische Hinrichtungsprozedur bestand in der Kaiserzeit aus vier Teilschritten, die jedoch nicht immer und überall nacheinander vollzogen wurden:

  • der vollständigen Entkleidung des Verurteilten und dessen öffentlicher Geißelung;
  • dem erzwungenen Querbalken- oder Furcatragen (Furca: ein V-förmiges Holz, das um den Hals gehängt wurde) zum Hinrichtungsplatz;
  • dem Fesseln oder Annageln seines Körpers an eine Furca oder den Querbalken;
  • dessen Befestigung an einem Baum oder auf dem vorbereiteten Pfahl. Dabei wurden Mensch und Querbalken hochgehoben und mit dem senkrechten Pfahl verbunden.

Die Geißelung des Entkleideten mit einer Peitsche, dem Flagrum – oft zusätzlich mit Nägeln besetzt –, quälte und erniedrigte den Betroffenen zusätzlich, schwächte seinen Organismus durch die Anstrengung und Verspannung unter den Schlägen, Schmerzen und Blutverlust

Arme und Beine wurden an Pfahl und Querbalken gefesselt oder genagelt. Damit begann die eigentliche Kreuzigung. Das Annageln geschah so, daß der Blutverlust gering gehalten wurde. Anatomischen Tests zufolge mußten die Nägel nicht durch die Handflächen, sondern durch Handwurzelknochen oder den Raum zwischen Elle und Speiche sowie durch die Fußwurzel oder das Fersenbein getrieben werden, um das Körpergewicht tragen zu können, was zudem mit außerordentlichen Schmerzen verbunden war. Arme und Beine wurden an Pfahl und Querbalken gefesselt oder genagelt.

Oft verabreichte man dem Gekreuzigten mit einem Schwamm über mehrere Tage etwas Flüssigkeit, damit er nicht vorzeitig verdurstete, um seine Qualen zu verlängern: meist Wasser, zum Teil mit Weinessig (posca), und mit schmerzlindernden oder betäubenden Heilkräutern vermischt.

Der Tod durch Ersticken, Kreislaufkollaps oder Herzversagen trat bei nicht schon vorher geschwächten Menschen meist innerhalb von drei Tagen ein. Ihm gingen Qualen wie Durst, Wundbrand und Verkrampfung der Atemmuskulatur, je nach Jahreszeit auch Hitzeschäden bzw. Erfrierungen voraus.

Nach dem eingetretenen Tod prüften römische Soldaten durch einen Stich in den Bauch oder in die Seite mit einer Lanze (Pilum), ob der Hingerichtete wirklich tot war.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzigung)

So sah also die Realität für denjenigen aus, der zur Kreuzigung verurteilt wurde, es erwartete ihn ein überaus qualvoller, langwieriger Tod.

Die erste Stelle im Neuen Testament, in der das Wort „Kreuz“ auftaucht, lautet wie folgt: „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und Mir nachfolgt, ist Meiner nicht würdig (Mt 10,38); die zweite Stelle wurde heute im Evangelium gelesen: „Wer Mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach“ (Mt 16,24). Christus spricht also vom Kreuz und vom Kreuztragen, bevor es zur Kreuzigung kam. Vermutlich blieb der Sinn dieser Aussprüche Seinen Zuhörern zunächst verschlossen. In beiden Aussprüchen Jesu Christi steht im griechischen Text „ton stavrón avtoú“. Das griechische Wort für Kreuz σταυρός (stavrós) bezeichnet im Strafkontext einen aufrecht stehenden Pfahl, einen Holzstamm, an dem zumeist ein Querbalken befestigt wurde. Dieses Wort tritt im Neuen Testament ungefähr 40mal auf, auch im Zusammenhang mit anastavroo („kreuzigen“). Alle NT-Stellen mit diesem Wort spielen auf Dtn 21,22f an: ...denn ein Gehenkter [ans Holz Gehängter, also ein Gekreuzigter] ist ein von Gott Verfluchter.“ Damit deuteten die Juden Jesu Kreuzigung als Ausschluß aus Gottes Volk und Heil. Verbunden mit der qualvollen Todesstrafe war die Kreuzigung zudem also mit einem Ausschluß aus dem Volk Gottes verbunden, einer Verstoßung aus der Gemeinschaft des erwählten Volkes, und, was in seiner Schrecklichkeit nicht zu überbieten war – der Gekreuzigte war ein von „Gott Verfluchter“; er war also auch nach dem Tode in die „äußerste Finsternis“ der Gottesferne verstoßen, von der Christus Selbst an einigen Stellen spricht.

Schlimmeres als die Strafe der Kreuzigung war also weder im römisch-säkularen Verständnis (als grausamste Todesstrafe), noch im jüdisch-theologischen Verständnis (als Verstoßung aus dem auserwählten Volk und Verfluchung durch Gott) möglich. Es gab keinen tieferen Fall als diesen; es gab keine andere Finsternis und Qual, die dieser gleichkam. Die Kreuzigung war das Schrecklichste, was einem Menschen widerfahren konnte. Und genau dieses Allerschrecklichste erlitt Jesus Christus, der einziggeborene Sohn Gottes, die Zweite Person der Allerheiligsten Dreiheit, das „Wort“, der Logos Gottes, Der in die Welt kam, Der „Fleisch annahm“, also die Natur des Menschen, um die Menschheit zu erlösen.

Im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, das für die Orthodoxe Kirche verbindlich ist, heißt es: „Der für uns Menschen und um unseres Heiles willen von den Himmeln niedergestiegen ist… Der für uns gekreuzigt worden ist unter Pontius Pilatus, gelitten hat und begraben worden ist…“ Das liest sich so leicht, und oft sprechen wir diese Zeilen ohne Gespür für das Ungeheuerliche, das in diesen schlichten, nüchternen Sätzen steckt. Doch es ist das größte Paradoxon, das man sich vorstellen kann; das größte Skandalon (Ärgernis), das die Erde gesehen hat – das Entsetzlichste, was sich in der Geschichte der Menschheit zugetragen hat. Gott Selbst, der Sohn Gottes, Der eines Wesens mit Gott Vater und dem Heiligen Geist ist, wurde von Menschen, von Seinen Geschöpfen, zum Tode verurteilt und auf brutalste und entwürdigendste Weise hingerichtet. Aber, und hierin liegt das Paradoxe, zugleich liegt darin das Heil und die Rettung der Menschheit beschlossen.

Der Sonntag der Kreuzverehrung, den wir heute begehen, bündelt dieses Geschehen wie in einem Brennglas, er richtet den Blick auf das Kreuz, auf die Kreuzigung Christi am Hohen und Heiligen Karfreitag und schaut voraus auf Christi Auferstehung. Wir wollen nun versuchen, uns dem Mysterium des Kreuzes zu nähern und dann zu verstehen versuchen, was das Kreuz in unserem eigenen Leben bedeutet, was es heißt, wenn Christus sagt: „Wer Mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach.“

Gehen wir kurz zurück zum Anfang: Die Bibel berichtet, daß der Mensch von Gott geschaffen wurde „im Bild“ Gottes, „Ihm ähnlich“, also bestimmt mit gottähnlichen Eigenschaften, unter anderem der Freiheit zur Entscheidung und Bewußtsein, und ausgestattet war, Gott ähnlich zu werden. Doch diese Freiheit wurde mißbraucht, es kam zur Urkatastrophe des Sündenfalls, zum Verlust der unmittelbaren Nähe zu Gott, zur Vertreibung aus dem Paradies des ersten gesegneten Zustands. Mühe, Tod und Leiden wurden zur allgegenwärtigen Realität. Kaum war das Paradies verloren, geschah schon der erste Mord: Kain erschlug seinen Bruder Abel aus Neid auf dessen Opfer, das Gott wohlgefällig war. Abel war völlig unschuldig, und somit ist der Brudermord durch Kain das erste Verbrechen an einem Unschuldigen, das aufgezeichnet wurde. Dem folgten weitere, kompliziertere Konflikte, die die Menschheit zerrütteten, Gewalttaten, Kriege, unbeschreibliche Gräueltaten und Verbrechen bis zum heutigen Tag. Über die unschuldigen Kleinkinder von Bethlehem und Umgebung, die Herodes erschlagen ließ, weil er den neugeborenen König der Juden, also Jesus Christus, beseitigen wollte, über das riesige Heer der christlichen Märtyrer und religiös Verfolgten, über all jene, die, selbst ohne Schuld, Unrecht erlitten, gequält und ermordet wurden, hinweg, verläuft diese Straße des Blutes, die mit Kain und Abel begann und bis heute fortdauert. Wozu all diese sinnlosen, irrsinnigen Tode, könnte man fragen? Wozu all das unbegreifliche Leiden in dieser Welt? Dies berührt die Frage der Theodizee, also die der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leidens in der Welt. Kaum geschieht wieder etwas Furchtbares, erhebt diese bohrende Frage von neuem das Haupt: Wie konnte Gott das zulassen? Wenn Er liebevoll und allmächtig ist, warum verhindert Er nicht all das Leid?

Gott hat diese bohrende Frage, die eigentliche Menschheitsfrage, nicht auf intellektuelle, rationale Weise beantwortet, sondern indem Er Sich Selbst in die Mitte und an den tiefsten Punkt dieses Stroms des Leidens begab: Er Selbst nahm den qualvollsten Tod, das schrecklichste Leid auf Sich und wurde darin uns ähnlich. „Christus wurde uns in allem ähnlich außer in der Sünde“, sagt der hl. Apostel Paulus. Er war ein ebenso unschuldiges, sündenloses Opfer wie Abel, wie die Kinder von Bethlehem, wie jeder Embryo, der im Mutterleib ermordet wird, wie all die zahllosen unschuldigen Opfer von Kriegen und Gräueltaten, die zu allen Zeiten geschahen und auch heute wieder geschehen. Doch zugleich war Er das „Lamm Gottes, das hinwegträgt die Sünden der Welt“, wie Ihn uns der hl. Vorläufer, Prophet und Täufer Johannes im Johannes-Evangelium vorstellt: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegträgt die Sünden der Welt.“ (Jh 1,29) Er war nicht nur der Abel, das unschuldige Opfer, sondern Er wurde auch Kain, der schuldige Mörder. Natürlich nicht, indem er die Sünde des Mordes Selbst beging, sondern dadurch, daß Er stellvertretend dessen Schuld auf Sich nahm. Und nicht nur Kains Schuld, sondern die unzähligen und unerfaßbaren Sünden aller – vom Anfang der Menschheitsgeschichte an bis zu deren Ende, bis zum Ende der Weltzeit. Er nahm all diese Sünden auf Sich und tilgte sie dadurch, daß Er stellvertretend dafür das Urteil der Kreuzigung empfing; Er tilgte sie, indem Er Selbst den Tod am Kreuz erlitt. Ein unbegreiflicher Vorgang, aber genau davon kündet das Neue Testament.

An vielen Stellen spricht der hl. Apostel Paulus vom Kreuz, von der Kreuzigung Christi: „Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit Ihm auch auferweckt durch den Glauben an die Kraft Gottes, Der Ihn von den Toten auferweckt hat. Ihr wart tot infolge eurer Sünden… Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen, und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, daß Er ihn an das Kreuz geheftet hat.“ (Kol 2,12-14) Hier ist auch der Zusammenhang zwischen der Taufe und der Kreuzigung Christi angesprochen.

Was ist Sünde? Sünde ist vom griechischen Wort (amartia) her eine Verfehlung des Ziels: Es geht etwas daneben, sozusagen. Da die Bestimmung des Menschen darin besteht, Bild Gottes zu sein, Ihm ähnlich, ist Sünde all das, was dieser Bestimmung, diesem Ziel, diesem inneren Auftrag, könnte man sagen, nicht entspricht. Jede Sünde hinterläßt eine Schuld, ein Minus, eine Verletzung der Menschennatur. Es ist so, als würde man etwas kaufen und nicht bezahlen, und das immer wieder. Es häufen sich die Schulden an zu einem Berg, der nicht mehr abzutragen ist. Natürlich gab es Reinigungsriten in allen Religionen, die den Menschen von Verfehlungen und Verunreinigungen säubern sollten. Im Alten Testament brachte derjenige, der sich gegen das Gesetz verfehlt hatte, zu seiner Sühne ein Tier in den Tempel, bevorzugt ein Lamm. Dort legte er vor den Priestern seine Hand auf den Kopf des Tieres und bekannte seine Sünden. Das bedeutete, daß die Sünden des Sünders auf das Tier übergingen. Der Priester schlachtete daraufhin das Tier, und das Opfer wurde als Sühne für die Sünden des Menschen betrachtet. Durch das Sühneopfer, bei dem der Priester mit dem Blut des Opfertiers besondere Handlungen vornahm (3. Mose/Levitikus 4), gewährte Gott Sühne für Verstöße gegen das göttliche Gesetz und stellte so die beschädigte Heiligkeit und Reinheit des Volkes und Landes wieder her. Aber die allgemeine, die ganze Menschheit umfassende Tilgung der Schulden, war dies noch nicht.

Archimandrit Sophronij Sacharov definiert Sünde folgendermaßen: „Die Sünde ist vor allem eine geistige metaphysische Erscheinung. Die Wurzel der Sünde liegt in der verborgenen geistigen Natur des Menschen. Das Wesentliche der Sünde liegt nicht im Bruch der ethischen Norm, sondern ist ein Abweichen vom ewigen göttlichen Leben, für das der Mensch geschaffen wurde und zu dem er berufen ist.“ (Arch. Sophronius, Starez Siluan, Bd. 1, S. 29)

Man könnte sagen, daß diese Opferhandlungen zwar partielle Vergehen tilgten, doch die Gesamtschuld der Menschheit, die aus der Gemeinschaft mit Gott gefallen und nun dem Tod und der Herrschaft des Geistes des Bösen, dem Teufel, unterworfen war, wurde dadurch nicht beseitigt: das „Abweichen vom ewigen göttlichen Leben, für das der Mensch geschaffen wurde und zu dem er berufen ist.“ Es bedurfte des größtmöglichen Opfers, eines Opfers, das die ontologische (seinsmäßige) Versklavung der Menschheit beseitigte und die Herrschaft des Todes, die noch über den körperlichen Tod hinaus bestand, aufhob.

Der Prophet Jesaja, der an vielen Stellen auf den kommenden Messias, den „Gottesknecht“ hinweist, schrieb: „Er wurde mißhandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf.“ (Jes 53,7) Und „er lud auf sich unsere Sünden und wurde für uns geschlagen“ (Jes 53,4). Christus nahm die Sünden aller auf Sich, aller Menschen, die jemals gelebt haben, die noch leben und die noch in der Zukunft leben werden. Er nahm all dieses Entsetzliche, was den Verstand übersteigt, auf Sich wie ein Opferlamm, und ließ Sich dafür freiwillig bestrafen durch die entsetzlichste Strafe, die über einen Menschen verhängt werden konnte: die Kreuzigung.

Wann und wie nahm Er all diese Schulden des Menschengeschlechts auf Sich? Es übersteigt die Möglichkeit unseres Begreifens, in dieses Mysterium einzudringen; doch man kann sich ihm in Ehrfurcht vorsichtig nähern. Es gibt die orthodoxe theologische Auffassung, daß Christus in der Nacht vor Seiner Kreuzigung im Garten Gethsemane diesen ungeheuren Schuldenberg der Menschheit auf Sich nahm und daß Seine blutigen Tränen, die Er in dieser Nacht vergoß, von Seinem eigenen Entsetzen über all dieses Entsetzliche zeugen würden, mehr noch als von der Angst, die Er in Seiner Menschennatur vor der Kreuzigung selbst empfand. Nach einer anderen Auffassung war die Dunkelheit, die über den Vorgang der Kreuzigung hereinbrach, jene finstere Wolke der Menschheitssünden, die sogar das Licht der Sonne verdunkelte. Wie dem auch sei, es ist letztlich nicht möglich und auch für uns nicht wichtig, diesen Vorgang, der die Dimensionen unseres Zeit- und Raumgefüges übersteigt, zu begreifen, es geht für uns nur um den Glauben, daß Christus tatsächlich den „Schuldschein“ unserer Sünden und die damit verbundenen Schulden vor dem göttlichen Gesetz tilgte, „indem er ihn ans Kreuz heftete“, wie Paulus schreibt.

Der Vorgang selbst wird in den Hymnen des Morgengottesdienstes am Karfreitag eindringlich und ergreifend beschrieben: „Heute hängt am Kreuz, Der die Erde über den Wassern aufgehängt hat; mit einem Kranz aus Dornen wird umwunden der König der Engel. Zum Spotte wird in Purpur gehüllt, Der die Himmel mit Wolken umhüllt. Backenstreiche erhält Der, Der im Jordan den Adam befreite. Mit Nägeln wird der Bräutigam der Kirche angeheftet; mit der Lanze ward durchbohrt der Sohn der Jungfrau. Wir verehren Deine Leiden, Christus; wir beten Deine Leiden an, Christus, wir verehren Deine Leiden Christus. Zeige uns auch Deine herrliche Auferstehung.“

Auch im heutigen Gottesdienst der Kreuzverehrung heißt es: „Heute wird der Schöpfung Herr, der Herrlichkeit Herrscher, ans Kreuz geschlagen, und durchbohren läßt Er Seine Seite. Galle, Essig, kostet Er, der Kirche Kostbarkeit. Aufgesetzt wird Ihm eine Krone aus Dornen, Ihm, Der den Himmel hüllt in der Wolken Mantel, wird bekleidet mit einem Spottgewand, gepeitscht von einer Menschenhand, Der mit Seiner Hand den Menschen schuf. Auf dem Nacken wird gegeißelt, Der den Himmel kleidet in Wolken. Angespien wird Er, erhält Hiebe, Spott, wird mit Fäusten geschlagen. Aus Liebe zu mir, dem Verdammten, hat Er alles ertragen, Der mein Heiland und Gott ist, damit Er in Seinem Erbarmen die Welt vom Verderben rette.“    

Zugleich wird, wiederum im Karfreitagsgottesdienst, darauf verwiesen, daß diese Leiden allein für uns geschahen, um unserer Rettung willen: „Du hast uns losgekauft vom Fluche des Gesetzes durch Dein kostbares Blut. An das Kreuz genagelt und von der Lanze durchbohrt, ließest Du den Menschen die Unsterblichkeit hervorquellen. Unser Erlöser, Ehre sei Dir.“ Das betrifft jeden einzelnen, jeden persönlich: „Du wurdest um meinetwillen gekreuzigt, um mir die Vergebung quellen zu lassen. Deine Seite wurde durchbohrt, damit Du mir Ströme des Lebens sprudeln lässest. Mit Nägeln wurdest Du angeheftet, damit ich durch die Tiefe Deiner Leiden auf die Größe Deiner Macht vertraue und zu Dir rufe: Lebensspender, Christus, Ehre sei Deinem Kreuze, o Erlöser, und Deinem Leiden.“

Immer wieder wird in diesen Hymnen auf den zusammen mit Christus gekreuzigten Räuber verwiesen, der zu Ihm sagte: „Jesus, denk an mich, wenn Du in Dein Reich kommst“, worauf Christus ihm zusicherte: „Amen, Ich sage dir: Heute noch wirst du mit Mir im Paradies sein.“ (Lk 23,42-43). Und so heißt es in den Hymnen: „Als Du, Christus, gekreuzigt wurdest, hat die ganze Schöpfung gezittert. Die Grundfeste der Erde wurde erschüttert aus Furcht vor Deiner Macht. Die Sterne verhüllten sich, und des Tempels Vorhang wurde zerrissen. Die Berge erbebten, und die Felsen spalteten sich. Und der gläubige Schächer (Räuber) ruft mit uns, o Erlöser: Gedenke unser in Deinem Reiche.“

„Der Du am Kreuze Dich erhöht und die Macht des Todes gebrochen hast und als Gott die Schuldschrift, die wider uns zeugte, zerrissen hast, Herr, verleihe die Reue des Räubers auch uns, einzig Menschenliebender, Christus unser Gott; und wir, die gläubig Dir dienen, rufen Dir zu: Gedenke auch unser, o Erlöser, in Deinem Reiche.“

Hier wird auf die Freiwilligkeit des Opfers Christi aus Liebe zur Menschheit verweisen: Er hat Sich Selbst am Kreuze erhöht – Er hätte es auch verhindern können, gekreuzigt zu werden. Es hätte in Seiner Macht als Gott gelegen, doch Er verzichtete auf diese Macht, Er entsagte gewissermaßen Seiner Gottheit, um einerseits unser Los zu teilen, uns durch Seinen Tod am Kreuz „ähnlich“ zu werden, und um andererseits das Werk der Erlösung vom Tod zu vollbringen.

In einer weiteren Hymne heißt es: „Du hast unseren Schuldschein, Herr, am Kreuze zerrissen, und den Toten wurdest Du zugezählt, und dort hast Du den uns quälenden Gewaltherrscher gefesselt und alle von den Fesseln des Todes durch Deine Auferstehung befreit.“ Er brach die Macht des Todes durch Seinen Tod, Er stieg in den Hades, die Unterwelt, den Aufenthaltsort der Seelen, hinab und „fesselte den Gewaltherrscher“, wie es hier heißt, den Tod, wodurch die Seelen der Verstorbenen nicht mehr der Gewalt des Todes unterworfen waren. Der Tod tritt für uns zwar auch nach der Kreuzigung und Auferstehung Christi leiblich ein: Der Körper stirbt, wie auch Christi Körper in Seiner Menschennatur am Kreuz starb, doch die Seele ist nach dem Tod nicht mehr der Gewalt des Todes unterworfen, das heißt, nicht mehr an den gottfernen Zustand der Unterwelt, des „Hades“, gebunden, sondern kann aufsteigen zur wirklichen und ewigen Gemeinschaft mit Gott – das ist das „ewige Leben“.

Das Kreuz ist nicht das Ende. Das Allerschrecklichste, was auf Erden geschehen kann, hat nicht das letzte Wort. Die Orthodoxe Kirche versucht, uns so nahe wie möglich an diese Geschehnisse, die einstmals stattfanden, aber im mystischen „Heute“ der Allgegenwart Gottes immerfort weiterwirken, heranzuführen, uns daran tatsächlich, soweit dies möglich ist, teilnehmen zu lassen, um schließlich in das Licht und in die Kraft der Auferstehung einzutreten. Dies geschieht zunächst durch den „Gang durch die Wüste“, die asketische Vorbereitung mittels jener Reise durch die Große Fastenzeit und ihren einzelnen Stationen, von der wir sprachen, durch die körperlichen und geistigen Mühen, die sie von uns abverlangt; dies geschieht durch die langen, gehaltvollen Gottesdienste der Leidenswoche und ihrer intensiven Hymnographie, durch das Eintauchen in ihre Bedeutungstiefe. Wir werden mitgekreuzigt mit Christus, um mit Ihm aufzuerstehen. Und dies jedes Jahr immer wieder, wie in einer spiralförmigen Bewegung, die, sofern wir dazu bereit sind, uns immer tiefer in das unauslotbare Mysterium der Kreuzigung und Auferstehung Christus hineinführt, des Gottmenschen und Menschensohnes, unseres Heilands und Retters, damit wir somit selbst in die Sphäre des „achten Tages“, des „abendlosen Tages“ der Ewigkeit, eintreten, in dem es keinen Tod, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal mehr gibt, wie es in der Apokalypse des hl. Johannes über die neue, künftige Welt der Erlösten heißt.

Der Weg in diese neue Welt, in das Reich Gottes, ist der Weg der Nachfolge Christi. Christus hat zwar durch Sein Opfer am Kreuz die Schulden der Menschen getilgt, doch es liegt an jedem einzelnen, sich diese Tilgung auch anzueignen, sie für sich selbst gültig und wirksam zu machen. Das eigene Kreuz zu tragen, bedeutet die Aneignung, die Assimilierung des Heils, das aus Christi Kreuzigung entsprang. Gott greift nicht in die Freiheit der Menschen ein. Die Freiheit der Entscheidung, die Gott dem Menschen als in Seinem eigenen Bild geschaffenen Wesen geschenkt hat, ist nicht aufhebbar; denn sonst würde Gott das Menschenwesen selbst, das in Seinem Bild, zu dem die Freiheit wesentlich gehört, geschaffen wurde, aufheben und den Menschen zu einem Sklaven, Roboter oder vernunftlosen Geschöpf reduzieren. Die dem Menschen im Bild Gottes innewohnende Freiheit der Entscheidung beinhaltet eben auch das Ungeheuerliche, daß er sich gegen Gott, gegen das Gute, gegen seine eigene Freiheit und Rettung entscheiden kann. Und so liegt es auch am Menschen selbst, ob er das Geschenk, das Christus am Kreuz bewirkt hat, annimmt.

Das Paradoxon der menschlichen Freiheit bedeutet, daß der Mensch das Geschenk seiner Erlösung von der Sündenschuld auch ablehnen kann, es ignorieren kann. Er kann weiterhin sündigen; er kann sagen: „Was geht mich das alles an?“ Er kann weiterhin in seiner gefallenen Natur, die er liebgewonnen hat, verbleiben. Er kann weiterhin dem Teufel und dem Bösen oder seinem eigenen Ego dienen, oftmals, ohne es zu wissen und ohne den Wunsch, sich dessen gewahr zu werden. Er kann im Materiellen, Diesseitigen verbleiben und Gedanken an den Tod und das was danach kommt, verdrängen. Er kann sich allen möglichen Ideen, Vorstellungen, Gedankengebilden hingeben; er kann sein Vaterland, seinen Beruf, sein Vermögen, sich selbst und seine Genußliebe, einen anderen Menschen oder seine Familie, seinen Fußballverein, den wissenschaftlichen Fortschritt, die Kunst, sogar die ganze Menschheit im Sinne humanistischer Ideale – was auch immer – zum Gott erheben, zu seinem Götzen machen, zu seinem „Idol“. Alles liegt nach wie vor im Bereich seiner Freiheit. Doch irgendwo im Hintergrund der Weltgeschichte ertönt zu allen Zeiten der Ruf zur Umkehr, mit dem das Evangelium der Rettung beginnt: „Kehrt um, bereut, ändert eure Gesinnung, denn das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.“

Und so ist auch die erste Erwähnung des Kreuzes im Neuen Testament eingebettet in die ernsten und zunächst hart und „krass“ erscheinenden Worte Christi: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und Mir nachfolgt, ist Meiner nicht würdig. Wer sein Leben (seine Seele, das ist im Griechischen dasselbe Wort: psychi) gewinnen will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um Meinetwillen, wird es gewinnen.“ (Mt 10,37-39) Das sind Worte, die legitim nur Gott Selbst aussprechen kann, Der den Menschen zur Gemeinschaft mit Sich Selbst berufen hat und Der hier darauf verweist, daß jede andere menschliche Bindung dahinter zurücktreten muß, um nicht Gottes Stelle einzunehmen und somit zum Götzendienst wird. Natürlich spricht Sich Christus hier nicht gegen eine Liebe zu den Eltern, zum Ehepartner, zu den eigenen Kindern oder zum Nächsten im allgemeinen aus – im Gegenteil, die Liebe zum Nächsten, wer auch immer dies ist, wird ja ausdrücklich geboten. Doch darf nichts, was begrenzt, zeitlich, bedingt ist, an die Stelle des Unbegrenzten, Ewigen, Unbedingten treten, an die Stelle Gottes. Erst durch die Liebe zu Gott, die sich in der Nachfolge Christi, erfüllt, wird ihrerseits die Nächstenliebe wahrhaftig und, man könnte sagen, „göttlich“.

Die Bedingung für die Nachfolge Christi ist, sein eigenes Kreuz „auf sich zu nehmen“. Das ist die zweite Stelle im Neuen Testament, in der Christus vor Seiner eigentlichen Kreuzigung vom Kreuz spricht. Wer Mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach (Mk 8,34).

„Wer Mir nachfolgen will…“ – da ist wieder die Freiwilligkeit; keiner wird gezwungen, Christus nachzufolgen. Gott schränkt unseren freien Willen nicht ein – das tun andere, der Teufel und alle Gewaltherrscher, alle, die uns manipulieren und beherrschen wollen; aber das tun wir auch selbst durch unsere Leidenschaften und Abhängigkeiten. „Der verleugne sich selbst“ – der entsage seinem alten sündigen „Ich“, das ihn fesselt und knebelt. „Und nehme sein Kreuz auf sich“ – sein eigenes Kreuz, das das Leben an ihn heranträgt (wir kommen darauf gleich noch zu sprechen, was das bedeutet). „Und folge Mir nach“, Ihm, Der „der Weg und die Wahrheit und das Leben ist“ (Jh 14,6), wie Christus über Sich Selbst sagt. Er folge diesem Weg, der über Golgatha zur Auferstehung führt.

Im Neuen Testament ist es vor allem Paulus, der in vielen Wendungen den Weg der Nachfolge Christi und die Bedeutung des Kreuzes auf diesem Weg paraphrasiert. Eine Schlüsselstelle zur Annäherung an das Mysterium des Kreuzes ist jener Ausspruch: „Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal 6,14). Was ist hier mit „Welt“ gemeint? Nicht die Erde, der Himmel, der Kosmos, also die Schöpfung, die Gott im Ursprung für „sehr gut“ befand, sondern die Welt, in der die Gottesferne, die Sünde herrscht. Wie der hl. Apostel Johannes schreibt: „Alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt.“ Und er definiert: „die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und den Hochmut des Lebens“ – Genußliebe, Eitelkeit, Ruhmsucht, Hochmut und dergleichen leidenschaftliche Bindungen mehr. Also all das, was uns an das vergängliche, von Sünde durchtränkte Dasein bindet, was unseren Blick von Gott, vom Himmel und der Ewigkeit abzieht, was uns in der Ferne von Gott gefangenhält. Durch Christi Kreuz ist „mir die Welt gekreuzigt“ – sie bindet nicht mehr, ich lasse sie zurück, sie hat keine Macht mehr über mich –, „und ich der Welt“ – ich bin für die Welt wie tot, habe kein Verlangen mehr nach ihr, will nicht mehr an ihren sündigen Wegen und Methoden teilhaben. Ich bin befreit von der Macht und dem Zwang, den die „Welt“ über den Menschen ausübt. „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“, sagt Paulus an anderer Stelle (Gal 2,19-20).

Dieser Weg der Nachfolge Christi führt gewissermaßen aus dieser Welt hinaus, oder genauer gesagt, aus den Werten und Zielsetzungen dieser Welt heraus, die, wie es der hl. Apostel Johannes sagt, „im Argen liegt“ und vom „Fürsten dieser Welt“, also dem Geist des Bösen, dem Teufel, regiert wird, wie es Christus am Abend vor Seiner Kreuzigung sagt (Jh 14,30). Durch Seine Kreuzigung hat Christus die Macht dieses „Weltherrschers des Bösen“, des gefallenen Geistes der Bosheit, des Hochmuts, der Lüge, der Täuschung und der Zwietracht, also des Teufels, des Satans, sozusagen „von unten her“ ausgehebelt, indem Er Sich an den niedrigsten Punkt der Welt begab. Doch an uns selbst liegt es, uns nicht von neuem in den Bereich der Gottesferne, der Leidenschaften und der Sünde hineinziehen zu lassen. Deshalb ist der Weg der Nachfolge Christi, der Weg des Kreuztragens, mit einem Tod verbunden, einem Absterben des „alten Menschen“ der Sünde und Gottesferne, einem Verzicht auf die Genüsse und Ablenkungen des alten Selbst, einem Abstandnehmen von den Werten und Zielen dieser Welt. Dies hat nichts mit „Wohlfühlchristentum“ zu tun, sondern es ist ein Weg des vor allem inneren Kampfes (zuweilen auch eines äußeren), ein Weg, der über das eigene Golgatha schließlich zur Auferstehung führt.             

In einer Homilie (Predigt) zum Sonntag der Kreuzerhebung heißt es: „Der Sonntag des Kreuzes ist die Feier unserer Errettung. Wir fallen nieder vor dem Kreuz als dem Werkzeug unserer Erlösung, wobei wir die Verehrung mit dem Ausblick auf die Auferstehung Christi verbinden. Wie die bitteren Wasser von Mara versüßt wurden durch das Holz, das Moses auf Gottes Geheiß hin dort hineinwarf (vgl. Ex 15,25), so versüßt das fromme Nachdenken über das Kreuz die Bitterkeit des Kampfes der Umkehr.“ (DSP 79)

Der „Kampf der Umkehr“: Es gibt keine „Instant-Erlösung“; die Aneignung der Rettung, die Christus für uns erwirkt hat und bereithält, ist ein Weg, kein bloßer momentaner Entschluß. Es ist der Weg der Umkehr, der ein ganzes Leben lang, bis zum letzten Atemzug, währt. Es ist der Weg der Nachfolge, der Weg des Kreuztragens.

Was sind nun diese Kreuze, die persönlichen Kreuze, die zu tragen sind? Es heißt ja sprichwörtlich: Jeder hat sein Kreuz zu tragen. Es gibt das äußere und das innere Kreuz.

In diesem irdischen Leben kann alles Mögliche geschehen. Noch leben wir im Wohlstand, in Ruhe und Bequemlichkeit, im Kreis unserer Lieben. Doch von einem Tag auf den anderen kann sich alles ändern. Plötzlich sind wir mit Leid und Tod konfrontiert, mit Krankheit und Verlust. Wir verlieren all die Sicherheiten, die wir gerade noch hatten. All diese sogenannten „Schicksalsschläge“ sind in Wirklichkeit göttliche Fügungen, die das Leben an uns heranträgt. Das ist oft schwer oder gar nicht zu begreifen, und es bedarf einer großen, zuweilen übergroßen Anstrengung des Glaubens, an manchen Dingen, die geschehen, nicht zu zerbrechen. Doch es gibt Vorbilder für uns; dies sind die Heiligen, die oftmals ein sehr schweres Leben (weltlich gesprochen) hatten und doch genau darin ihren Weg zur Heiligkeit verwirklichten. Ein besonderes Vorbild bietet uns der gerechte Hiob, der Leidensdulder, im Alten Testament: Er verlor alles, was er hatte, ertrug Krankheit und Erniedrigung, doch er sagte: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ (Hiob 2,10) Und am Schluß wurde alles wieder gut und noch besser, als es zuvor war, und der Weg seines Leidens erwies sich als Weg zu seiner Verherrlichung, seiner Erlösung. Deshalb wird das Buch Hiob in der zweiten Hälfte der Großen Fastenzeit in den Gottesdiensten in Teilen gelesen.

Das Kreuz ist ein Heilmittel. Wir wären vielfach nicht bereit, uns von Dingen, Menschen, eigenen sündigen Gewohnheiten und Vorstellungen zu lösen ohne das Kreuz, das uns Gottes Vorsehung ins Leben schickt. Es ist wie eine bittere Arznei, eine notwendige und lebensrettende Operation, der wir uns unterziehen, um unser Leben zu retten. Es bringt oft großes Leid mit sich, Leiden des Verlustes, der Angst, der Ungewißheit, der Entbehrung, doch wenn wir diese Leiden mit Gottvertrauen, Zuversicht und sogar Dankbarkeit auf uns nehmen und ertragen, öffnet sich ein neuer Raum für uns, eine tiefere Liebe, ein innigerer Glaube.

Der hl. Nikolaj Velimirović, ein großer serbischer Heiliger und begnadeter kirchlicher Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts, schreibt in seiner Homilie zu Kreuzverehrung (Ausgewählte Werke, S. 248ff): „Was bedeutet es: sein Kreuz auf sich zu nehmen? Es bedeutet das willentliche Annehmen eines jeden Heilmittels aus der Hand der Vorsehung, so bitter auch sein mag, was angeboten wird. Brechen große Katastrophen über dich herein? Sei Gottes Willen gegenüber gehorsam, wie es Noah war. Ist ein Opfer von dir gefordert? Übergib dich Gottes Hand mit demselben Glauben wie Abram [später Abraham], als er aufbrach, seinen Sohn zu opfern. Ist dein Besitz verloren? Sind deine Kinder plötzlich gestorben? Erdulde es alles mit Langmut, hänge dich mit deinem Herzen an Gott, wie es Hiob tat.“

Das Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft (1 Kor 1,18), schreibt der hl. Apostel Paulus. Das Kreuz ist „Gottes Kraft“, also jene Kraft, mit der Christus, unser Gott und Retter, den Tod und den Teufel, die beiden Feinde des Menschengeschlechts, besiegte, und es ist auch die Kraft Gottes, die in unser Leben hineinwirkt, um zu Gott zu gelangen.

Dies ist das äußere Kreuz, das wir zu tragen aufgefordert sind: An den Leiden und Schwierigkeiten unseres Lebens in der Nachfolge Christi nicht zu zerbrechen, sondern sie mit Geduld und Langmut auf sich zu nehmen und im Glauben zu tragen, daß genau durch sie Gottes Vorsehung, Seine Kraft wirkt.

Der hl. Nikolaj Velimirović erläutert ferner: „Wie ein kranker Mensch eine bittere Arznei nicht deshalb nimmt, um zu zeigen, daß er sie schlucken kann, sondern um seine Gesundheit zurückzuerlangen, so verleugnet ein wahrer Christ sich selbst: Das bedeutet, er ist von seinem kranken Wesen abgestoßen, nimmt sein Kreuz als eine bittere, aber rettende Arznei auf sich und folgt Christus, seinem Arzt und Erlöser – nicht um des Ruhmes und Lobes der Menschen willen, sondern um seine Seele vor dem tödlichen Wahn in diesem Leben und vor dem Wurm und Feuer im künftigen Leben zu retten.“

„Was ist ein inneres Kreuz?“, fragt Erzpr. Petr Roždestvenskij (Der Schmale Pfad 79, S. 56): „Es bedeutet, seine Seele genau zu untersuchen mit einer echten Gesinnung der Reue. Wenn dies getan ist, wird eine Vielzahl von Kreuzen offenkundig, welche Verwirrung und Furcht hervorrufen.“

Das innere Kreuz ist der gesamte Bereich des geistlichen Lebens, also jener Praxis, die uns befreien soll vom Unrat, der in uns selbst ist, und, wenn man ihn untersucht, „Verwirrung und Furcht“ hervorbringt, also vom Gesamt des „alten Menschen“, wie Paulus das nennt. Das Ziel dieses Prozesses ist die „Reinheit des Herzens“, wie es Christus in einer der Seligpreisungen der Bergpredigt formuliert: „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ Die gesamte geistliche Überlieferung und Erfahrung der Orthodoxie ist diesem Ziel gewidmet; das Mönchtum ist der konsequenteste Weg, sich diesem Ziel zu nähern. Das geistliche Leben ist ein Heilungsprozeß des inneren Menschen, der durch die Werkzeuge der schonungslosen, aufrichtigen Selbsterkenntnis, der Reue, Umkehr und Beichte, des Fastens und Betens, des Empfangs der Heiligen Kommunion, der geistlichen Führung durch einen erfahrenen geistlichen Vater und all die anderen Mittel, die die Orthodoxe Kirche zur Verfügung stellt, verwirklicht wird. Die Kirche im orthodoxen Verständnis ist daher eine Heilanstalt, ein spirituelles Krankenhaus, in das wir eintreten, um Heilung zu erlangen. Das Ziel, die Heilung, kann man auch mit anderen Worten umschreiben. Es geht um das Erlangen der Liebe, der Liebe zu Gott, der Liebe zum Nächsten und der wahren Liebe zu sich selbst, die darin besteht, von den selbstzerstörerischen Kräften freizuwerden, die uns innerlich versklaven. Die alljährlich sich wiederholende Große Fastenzeit ist ein kompakter Heilungsvorgang, eine spirituelle Kur sozusagen, welche die Kirche uns anbietet, um diesem Ziel näherzukommen: der Heilung unserer im Bild Gottes und zur Ähnlichkeit mit Gott bestimmten Natur.    

Es gibt einen drastischen Ausspruch (ich weiß nicht mehr, von wem er ist): „Wer zur Auferstehung gelangen will, ohne über Golgatha zu gehen, ist ein infamer Betrüger.“ Das heißt, wer die Leiden, die das Leben durch Gottes Fügung an uns heranträgt, und jene Mühen, die der Prozeß der geistlichen Läuterung mit sich bringt, nicht annehmen will, wer sich nicht mit Christus „mitkreuzigen“ will, sondern, wie durch das Betätigen eines Lichtschalters, sofort und direkt zum Licht der Auferstehung, zur Glückseligkeit gelangen will, macht sich etwas vor – er ist in einer trügerischen Vorstellung, einer Illusion gefangen.

Doch wir werden mit unserem Kreuz nicht allein gelassen. „Gott ist mit uns“ (was der Name Emanuel für Jesus Christus bedeutet), die Heiligen stehen uns durch ihre Fürsprache bei, und die Orthodoxe Kirche bietet uns die beiden großen Mysterien (im Westen heißt das Sakramente) an, um uns mit Christus zu verbinden, unsere Natur zu erneuern und das ewige Leben zu erwerben: die Taufe und die Heilige Kommunion. In der Taufe sterben wir dem alten Menschen und empfangen den Keim des neuen Menschen, im Heiligen Abendmahl aktualisieren wir diesen Keim, lassen ihn wachsen und gedeihen und werden teilhaftig des Neuen Bundes, den Christus gestiftet hat. Taufe und Kommunion sind die Mysterien, also geheimnisvolle, durch Gott gewirkte Vorgänge, die die Grundlage bereiten, an der Auferstehung Christi teilzuhaben und das ewige Leben, das Leben in der wirklichen Gemeinschaft mit Gott, zu erwerben.

Wie am Anfang gesagt wurde, zielt die Große Fastenzeit auf eine Erneuerung der Gnade der Taufe hin, deren Höhepunkt der Empfang der Heiligen Kommunion, des wahren Leibes und Blutes Christi ist, wie der Priester in der Göttlichen Liturgie der Worte Christi beim Letzten Abendmahl gedenkt: „Nehmet, esset, dies ist Mein Leib, der für euch gebrochen wird zur Vergebung der Sünden. – Trinket alle daraus (aus dem Kelch), dies ist Mein Blut des Neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird, zur Vergebung der Sünden.“ Es ist genau dieser Leib Christi, der am Kreuz gebrochen wurde und auf mystische Weise in der Heiligen Kommunion weiterhin gebrochen wird, und es ist genau dieses Blut Christi, das am Kreuz vergossen wurde und weiterhin in jeder wahren eucharistischen Feier auf mystische Weise ausgeteilt wird, die uns in der Heiligen Kommunion dargereicht werden. Wir haben somit teil an der Kreuzigung Christi und an der nachfolgenden Auferstehung genau dieses Leibes am dritten Tage. Ein unerforschliches, Menschenverstand übersteigendes Mysterium, und doch real, spürbar, konkret und verwandelnd.

Wir sind heute einen weiten Weg gegangen, und doch sind wir erst in dessen Mitte, am Fest der Kreuzverehrung. Was wir auf unseren weiteren Weg durch die restliche Große Fastenzeit und über diese hinaus für unser ganzes Leben mitnehmen können, ist: Das Leiden, so schrecklich es auch ist (und alles Mögliche kann geschehen) hat nicht das letzte Wort. Das Kreuz, ein Werkzeug des Bösen, wird durch Christus zum Symbol des Heils. Es bedeutet: Ich vertraue auf Gott und darauf, daß all das Leidvolle, was uns zustößt und noch zustoßen wird, durch Christus auf ein gutes Ziel hin gelenkt wird. Daß Christus all dies Selbst auf Sich nahm, damit auch wir in der Lage sind, die vielfältigen Kreuze unseres Lebens zu tragen. Indem Christus durch Golgatha hindurch zur Auferstehung gelangte, ist auch für uns der Weg gebahnt, durch unsere Leiden hindurch, über unseren eigenen Tod hinaus, zur Auferstehung zu gelangen. Der Tod wird so zu einem Übergang, einem Hinübergehen, und die Verstorbenen sind nicht tot, sondern Vorangegangene, Vorausgegangene. Früher oder später werden wir alle ihnen folgen, doch wie wir ihnen folgen, in welchem Zustand, mit welchem Ziel, das bleibt uns selbst überlassen.  

Man könnte den Satz der Kirchenväter: „Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott (der Gnade nach) werde“, in bezug auf das Kreuz paraphrasieren: „Gott wurde uns ähnlich, damit wir Ihm ähnlich werden mögen.“

Das Kreuz verbindet Erde und Himmel. Es besteht aus der Überschneidung von einer horizontalen mit einer vertikalen Linie. Die Erde ist die Horizontale. Auf ihr bewegen wir uns und darauf bleiben wir, wenn wir uns allein dem Irdischen, Vergänglichen, Materiellen, Diesseitigem verschreiben. Diese Horizontale ist auch die lineare, chronologische Zeit, wie am Anfang dieses Vortrags erwähnt. Die Vertikale verbindet uns mit dem Himmel, dem Ewigen, mit Gott. Sie durchschneidet, durchkreuzt den Strom der Zeit. In der Mitte ist Christus, der gekreuzigte Gottmensch, Dessen am Kreuz ausgestreckte Arme uns einladen, an Seiner Auferstehung teilzuhaben, zu der uns unser eigener Kreuzweg in der Nachfolge Christi führt. Man kann daher das Kreuz verehren, man kann es lieben, weil dadurch die „Umkehrung aller Werte“ verwirklicht wurde: Das Schrecklichste wurde zum Werkzeug der Erlösung, das Todbringende zum Lebenspendenden. Das historische Kreuz, an dem Christus gekreuzigt wurde, wurde in einer archäologischen Expedition durch die römische Kaiserin Helena, die heilige Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, in Jerusalem im Jahr 326 aufgefunden. Ein Teil von dessen Holz befindet sich auch hier, in der Stavrothek des Dommuseums in Limburg, und ich kann nur empfehlen, dort hinzugehen und in Ruhe und Besinnung, in Gebet und Verehrung davor eine Zeit zu verbringen. Doch das Symbol des Kreuzes ist nach wie vor das Banner, das Emblem, der Christenheit. Die orthodoxen Gläubigen bekreuzigen sich jeden Tag viele Male, in den Gottesdiensten, zu Hause und auf all ihren Wegen und bekunden so die Verbindung mit dem Kreuz Christi. Sie sollten es bewußt tun, nicht nur mechanisch oder oberflächlich, um so an dessen Kraft teilzuhaben, der Kraft, die durch Christi unvorstellbares, lebenspendendes Opfer uns geschenkt wurde.  

Kommen wir noch einmal auf die Leiden der Unschuldigen zu sprechen und die damit verbundene bohrende Frage der Theodizee, der Rechtfertigung Gottes angesichts der Leiden dieser Welt. Diese Welt, in der wir leben, ist eine gefallene Welt, wie uns die Offenbarung der Bibel mitteilt, sozusagen eine „umgestürzte“, uneigentliche, entfremdete Welt. Sie ist in einem „umgedrehten“, verkehrten Zustand, umgekehrt zu dem, wie sie ursprünglich von Gott geschaffen war. Diese Verkehrung geschah durch menschliche Freiheit, und all das Böse, was in der Welt geschieht, ist bis zum heutigen Tage das Ergebnis fehlgeleiteter menschlicher Freiheit, gefangen in einer kausalen Kette von miteinander verbundenen Ursachen und Wirkungen, in einem unentwirrbaren Knäuel verstrickt, und die bis zum Beginn der gefallenen Menschheit, der von der Bibel mit dem Sündenfall identifiziert wird, zurückreicht. In dieser umgekehrten, gefallenen Welt, sind es daher oftmals und gerade die Unschuldigen, die am meisten zu leiden haben. Doch Christus hat den „gordischen Knoten“ der unausweichlichen Kausalität mit dem Kreuz zerschlagen, buchstäblich „durchkreuzt“. Dies geschah auf Golgatha. Golgatha (oder Golgotha) bedeutet „Schädelstätte“, weil der Überlieferung nach dort Adams Schädel tief in der Erde verborgen ruht. Das bedeutet, der ganze „Adam“, der ganze Mensch, die ganze Menschheit war und ist tot infolge der Sünde. Christus stieg hinab zum tiefsten Punkt der Menschheitsgeschichte, indem Er am Kreuz „erhöht“ wurde und all die Tode erlitt, die jemals gestorben wurden und noch gestorben werden. Doch der Tod hatte nicht das letzte Wort; er war nur ein „Zwischenstopp“ zur Auferstehung, zum Beginn eines neuen, ewigen Lebens, das in der Osternacht jubelnd durch den viele Male ertönenden Osterhymnus begrüßt wird: „Christus ist auferstanden von den Toten, hat den Tod durch den Tod zertreten und denen in den Gräbern das Leben geschenkt.“ Und an manchen Stellen wird er noch fortgeführt: „Und hat uns das ewige Leben geschenkt. Wir gedenken Seiner Auferstehung nach drei Tagen.“ Dieses Geschenk Christi an die Menschheit, das Geschenk des ewigen Lebens in der künftigen Welt, wo kein Schmerz, noch Gram, noch Seufzen ist, in der ewigen Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott, ist Seine Theodizee, Gottes Rechtfertigung.

Deshalb verehren wir das heilige, lebenspendende Kreuz und singen zur Kreuzverehrung jenen schlichten, doch zutiefst gehaltvollen Gesang: „Dein Kreuz verehren wir, Herr. Und Deine heilige Auferstehung preisen wir.“

 

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